Dienstag, 10. Juni 2008

"Enterprise 2.0": Innovationsmanagement, Unternehmenskultur, "War of Talents"

Die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen (und somit auch von Verlagen) wird davon abhängen, wie innovativ sie sind, und wie attraktiv für neue Mitarbeiter. Ein Allgemeinplatz, ich weiß. Aber mit wachsender Relevanz: Der Kampf um Talente hat nach Jahren des Personalabbaus auch die Medienbranche erreicht. Verlage haben lange vom Studenten-Überschuss und dem Image der Medien gelebt. Das wird sich ändern.

Innovationskraft und Mitarbeiterattraktivität - beides hat mit der Unternehmenskultur zu tun, die vor einem radikalen Wandel steht. Dieser Wandel wird von Ideen bestimmt, die im Zusammenhang mit dem Internet und der damit verbundenen Kommunikationsrevolution entstanden sind. Vor allem die Web 2.0-Triebkräfte werden auch hier wirken: Vernetzung, Offenheit, Selbstorganisation, Reputation.

Enterprise 2.0: Das offene Unternehmen

Ein mittelständisches Unternehmen, das konsequent die Weichen in Richtung Innovation und Offenheit gestellt hat, ist CoreMedia. Sören Stamer, der umtriebige Gründer und CEO, hat zu diesem interessanten Konzept schon ein Buch herausgegeben, hält Vorträge und gibt Interviews,u. a. auf Klaus Ecks PR-Blog. Stamer beschreibt dort, welcher Change-Prozess bei CoreMedia eingeleitet wurde: "Um innovativer, agiler und schneller zu werden und letztendlich unsere Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, haben wir die klassischen Abteilungsstrukturen aufgelöst und die Vernetzung zwischen den Mitarbeitern und zu Kunden und Partnern systematisch und sehr deutlich gesteigert. Einmal im Quartal treffen sich alle Mitarbeiter und Manager und arbeiten in einem Open Space Workshop selbstorganisiert an den Themen, die den Beteiligten am Herzen liegen und von ihnen vorgeschlagen werden. Alle Beteiligten entscheiden selbst, welche Themen sie interessieren und wie sie sich einbringen wollen. Aufgrund des großen Erfolgs dieser Workshops haben wir begonnen auch Aktionäre, Aufsichtsräte, Kunden, Partner, potentielle Kunden aber auch Freunde, Journalisten und Blogger einzuladen."

Kern des Konzepts ist ein gewachsenes Vertrauen in die Kreativität, aber auch die Urteilskraft und die Loyalität der Mitarbeiter. Dazu Stamer: "Insgesamt haben wir erkannt, dass weniger zentrale Kontrolle und mehr Vertrauen in die natürlichen Kräfte der Selbstorganisation sich auszahlt. Wir mussten dafür lernen, dass dynamische Hierarchien in einem dynamischen Umfeld deutlich besser funktionieren als statische. Daher lassen wir unsere Manager von dem zu führenden Team vorschlagen und regelmäßig bewerten."

Verlag 3.0: Mitarbeiter vernetzen sich

Der Zusammenhang zwischen Firmenkultur, Innovationskraft und Mitarbeiterzufriedenheit ist augenscheinlich. Ich denke, dieser Ansatz könnte auch für Verlage sehr spannend sein, denn nach meiner Erfahrung gibt es auch hier zahlreiche Innovations- und Kommunikationsstaus. Schon ein firmeninterner Open Space-Tag wäre für viele Verlage eine Revolution. Bei Inhouse-Seminaren, aber auch bei Workshops erleben wir immer wieder, wie genau unsere Kunden Inhalte und Abläufe bestimmen wollen. Manchmal spüren wir förmlich die Angst vor der ungebremsten Energie und Kreativität der Teilnehmer...

Die Veränderung der Firmenkultur wird auch für Verlage ein Faktor für die Überlebensfähigkeit sein. Denn diese Branche lebt im wesentlichen von drei Dingen: Guten Ideen, guten Mitarbeitern und zufriedenen Kunden. In einem sich radikal wandelnden Umfeld können die internen Strukturen nicht statisch bleiben.

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