Montag, 26. Mai 2008

Fachpresse-Kongress: Nur noch alles "E"?

Wenn sich am Dienstag und Mittwoch dieser Woche die deutschen Fachverleger in Wiesbaden zu ihrem jährlichen Kongress treffen, dreht sich alles um die Digitalisierung und das Internet. Unter dem Motto "Nur wer sich ändert, bleibt sich treu - Neue Geschäftsmodelle für Fachmedien" kreisen die Vorträge um die Frage, welche Konsequenzen aus dem Siegeszug des Internets sich für B2B-Publisher ergeben. Da wird von neuen Geschäftsmodellen berichtet, von neuen Berufsbildern, neuem Denken.

Die Realität in vielen Fachverlagen sieht jedoch anders aus. Noch immer kommen bei den meisten Verlagen 90 und mehr Prozent der Umsätze aus dem klassischen Geschäft. Nicht nur die Beharrungskräfte in vielen Köpfen (bis hinauf in die Führungetagen) stehen einem energischem Wandel im Weg, sondern vor allem die Ungewissheiten, die neue und nicht kalkulierbare Geschäftsstelle bringen.

Die Kernfragen für Fachverlage lauten:
  1. Wie können Verlage sich so auf den Kundennutzen einstellen, dass sie auch zukünftig unentbehrlich bleiben?
  2. Wie können Verlage sich mit den Kunden in einer neuen Dimension vernetzen?
  3. Wie lassen sich mit neuen Geschäftsmodellen vergleichbare Umsätze erzielen wie mit den bestehenden?
  4. Wie lassen sich Paid-Content-Modelle in eine Zukunft transferieren, die von einer Kostenlos-Mentalität der Nutzer und neuem Wettbewerb gekennzeichnet ist?
  5. Wie muss Content, der bisher eher linear und einschichtig aufbereitet wurde, für die Wunderwelt des Web 3.0 erstellt werden? Stichworte: Semantic Web, User Generated Content, Multimedialität...
  6. Welche Chancen bietet die Personalisierung von Produkten und Services?
  7. Wie weit muss die Wertschöpfung bzw. Dienstleistung eines Verlages gehen, wenn die Contentvermarktung als Geschäftsmodell nicht mehr ausreicht?
  8. Wie müssen interne Prozesse gestaltet werden, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden?
  9. Wie lässt sich der Wandel mit Hilfe von Change Management so gestalten, dass die Mitarbeiter ihn konstruktiv unterstützen?
  10. Welche neuen Geschäfte können intern aufgebaut, welche hinzugekauft werden?
  11. Wie lässt sich ein Wandlungsprozess mit hoher Innovationsrate, unsicheren Erlösmodellen und fremdfinanzierten Start-ups als Wettbewerb finanzieren?
Ich freue mich auf die Vorträge und Diskussionen und werde meine Eindrücke in diesem Blog mitteilen. Sehen wir uns in Wiesbaden?

Kommentare:

JoachimGraf hat gesagt…

Ich bin zwar nicht in auf dem Publishing-Kongress. Aber wenn ich mir die Fragen der Fachpresse anschaue, dann wird mir schon klar, dass sie die falschen Fragen stellen.

So lange in den Fragen nicht Wörter vorkommen wie "Kundennutzen", oder "Kommunikationskanal" werden nicht die richtigen Antworten kommen, darauf wette ich...

Ehrhardt F. Heinold hat gesagt…

Hallo Herr Graf,

danke für Ihre Ergänzung. Ich habe das Thema Kundennutzen als eigenen Punkt hinzugefügt.