Mittwoch, 21. Mai 2008

E-Paper: dtv zeigt, wie es gehen kann!

Das Thema E-Paper hat in den Diskussionen um die Digitalisierung des Verlagsgeschäfts jahrelang ein Schattendasein gefristet. Und bis heute nehmen die meisten Verleger dieses Medium nicht ernst. Relativ früh eingestiegen sind die großen Tageszeitungen, aber auch etliche Zeitschriftentitel aus dem Publikumsmarkt, bei denen E-Paper-Ausgaben mittlerweile zum Standardangebot gehören, das, wie das Beispiel Spiegel zeigt, auch offensiv vermarktet wird (z.B. kann die aktuelle Ausgabe kann sogar als verkleinerte Version durchgeblättert werden).

In Deutschland (und diese Definition wird hier verwendet) wird unter E-Paper eine digitale Ausgabe eines Printerzeugnisses verstanden - international hingegen elektronisches Papier, also eine Lesefolie mit Bildschirmeigenschaften (siehe dazu Wikipedia). Mittlerweile werden auch E-Paper ohne gedruckte Vorlage erstellt, als rein digitales Medium, das unsere, vom Gedruckten bestimmten Lesegewohnheiten aufgreift.

E-Paper hat viele Vorteile für Verlage, von denen ich hier nur einige in Stichworten nennen möchte:
  • Erweiterung der Printmarke
  • Ausweitung der Zielgruppen: Ausland, Junge Zielgruppen, nicht regelmäßige Leser (v.a. ohne Zugang zu gut sortierten Pressehändlern)
  • Online-Zeitschrift ohne Online-Redaktion
  • Zunahme der Reichweite
  • Vertriebsgebietsausweitung zu geringen Kosten
  • ivw-Ausweisung unter bestimmten Bedingungen möglich (Angaben dazu finden sich auf der ivw-Homepage): Übereinstimmung mit Print (Verlinkungen und multimediale Ergänzungen sind erlaubt), kostenpflichtige Zugriffe, downloadbar (offline-lesefähig)
  • Neue, interaktive Formate für Anzeigenkunden
  • Kostenreduktion gegenüber Print: Redaktion, Druck/Papier, Transport
Auch für Buchverlage bietet E-Paper neue Perspektiven, und zwar im Marketing. Viele Verlage bieten schon jetzt PDF-Dateien ihrer Vorschauen und Werbemittel zum Download an. Der Taschenbuchverlag dtv, bekannt Innovationsfreude im Onlinemarketing, geht einen Schritt weiter und präsentiert in einem E-Paper-Sonderkatalog die Highlights des Sommers 2008. Auf Basis der vom Entertainment Media Verlag entwickelten Livepaper-Technologie ist ein sehr spannendes Informationsmedium entstanden, das die Lesbarkeit von Print mit den interaktiven Möglichkeiten von Online kombiniert. Neben unzähligen Verlinkungen, die das Navigieren sehr komfortabel gestalten, und den kleinen Videoclips gefällt mir vor allem die Verknüpfung mit dem dtv-Warenkorbsystem: Mit einem Klick auf "bestellen" wird der Buchtitel in den Warenkorb auf der dtv-Website gelegt.

Die Produktion dieses Werbemittels war sicher nicht günstig. Ob sich die Investition lohnt? Dieser Livepaper-Katalog ist in jedem Fall ein konsequenter Schritt in Richtung Endkundenmarketing. Vor allem ist er ein interessantes Angebot für alle, die noch aus der Druckwelt kommen, sich aber auch online informieren wollen. Ein beispielhaftes Experiment also, das nicht nur Buchverlagen neue Perspektiven eröffnet.

1 Kommentar:

Verlag Eugen Ulmer hat gesagt…

Ein weiteres interessantes Beispiel für "E-Journals" war ja gerade auf dem Fachpresse-Kongreß im Rahmen eines Vortrags von Dr. Jastorff / DVV Media, zu sehen - ein begleitendes virtuelles Magazin zu einer Logistik-Messe mit wunderschönen Anzeigenbeispielen. Das Format mag ja für die Vermarktung eigener Produkte wie bei dtv interessant sein, ist aber doch nur als Spielerei einzuordnen. So etwas für eine Branche oder Messe zu entwickeln und dann noch nennenswerte Anzeigenumsätze zu generieren - das nötigt Respekt ab.

Mit freundlichen Grüßen,

Steffen Meier

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Verlag Eugen Ulmer
Verlagsbereich Online