Freitag, 25. April 2008

Ahnenforschung im Netz: Paid Services / Content als Geschäftsmodell

Bezahlte Inhalte bzw. Paid Content werden als Geschäftsmodell für das Internet immer öfter abgeschafft. "Paid Content ist tot" lautet die Devise, nach der immer mehr einst kostenpflichtige Angebote für jeden geöffnet werden (eine gute Zusammenfassung der Entwicklung bietet der Artikel von Alexander Endl).

Meinen Standpunkt zu diesem Thema habe ich ja in diversen Blogbeiträgen schon geäußert. Auch Alexander Endl bedauert, dass es nicht gelungen sei, die User ans Bezahlen zu gewöhnen: "Der Abgesang auf ein bezahlten Content - einzelne Angebote einmal ausgenommen, wie sehr spezielle Tests oder längere Dossiers und Gutachten - bedeutet, dass man weiter keine Grundlage für kleinere Business-Modelle finden wird, die speziell auf den Bereich Content im Internet zielen. Ich kenne den harten Weg der Eigenvermarktung von der Pike auf und damit aus eigener Erfahrung..."

Dieses Phänomen betrifft nicht nur "kleinere Business-Modelle". Fakt ist: Auch große Angebote wie Spiegel Online oder Au Feminin werden, trotz steigender Profitabilität, nicht die Umsatzdimensionen der alten Printgeschäfte erreichen.

Ich möchte in diesem Beitrag jedoch auf ein anderes Phänomen hinweisen: Paid Content blüht und gedeiht in Nischen und Ecken, wo man es nicht vermuten würde. Über ein interessantes Beispiel bin ich neulich gestolpert: Ancestry.de ist ein Portal für private Ahnenforschung, also ein B2C-Portal. Kern des Angebotes ist die kostenlose Anlage eines Stammbaumes, mit Fotos und Verlinkungen, Teilnahme an der Community, Suche in anderen Stammbäumen. Der kostenpflichtige Premiumservice bietet den Zugriff auf deutsche und internationale Premium-Datenbanken, in denen sich alte Adressverzeichnisse befinden. Also lupenreiner Paid Content. Ancestry bietet 5,8 Millionen Stammbäume und 535 Millionen Namen, und wird, ähnlich wie XING, aus der großen Zahl kostenloser Nutzer einen nennenswerten Anteil von Bezahlkunden generieren.

Bezahlangebote verbergen sich in einer Reihe von populären Angeboten, von Wetter.de (für die detaillierte und langfristige Wettervorhersagen) bis zu Chefkoch.de (erweiterte Funktionen). Diese Anbieter sind die Pioniere für ein "altes" Geschäftsmodell, dessen Transformation in ein neues Medium nur gelingen kann, wenn es entsprechend angepasst und auf die Kundenbedürfnisse zugeschnitten wird. Funktionalität und Einzigartigkeit sind jedoch nicht die einzigen Voraussetzungen für die Zahlungbereitschaft der User; in den meisten Fällen kann nur durch ein kostenfreies Angebot bezahlter Premiumumsatz generiert werden.

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