Donnerstag, 20. März 2008

Wird aus Bertelsmann ein Super-Arvato?

Gerade erst überraschte Reed die Verlagsbranche mit der Meldung, dass die Fachmedien verkauft werden, dafür aber ein Datenlieferant gekauft wird (siehe dazu meinen Blogeintrag vom 22.02.2008). Jetzt kündigt sich die Neupositionierung eines weiteren Medienkonzerns an.

Nach dem Führungswechsel bei Bertelsmann stellt sich Frage, ob aus dem Medien- ein Dienstleistungskonzern, oder plakativ ein Super-Arvato wird. Der neue Vorstandsvorsitzende hat bei der jüngsten Bilanzpressekonferenz Wachstums- und Renditeziele angemahnt, die wohl nur von zwei Bereichen erfüllt werden: Arvato und der RTL Group. Selbst die offizielle Konzern-Pressemitteilung verklausuliert die Unzufriedenheit mit den anderen Bereichen kaum:"Der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr lag bedingt durch die Schwäche im Tiefdruckgeschäft bei Umsatz und operativem Ergebnis unter Vorjahresniveau, ebenso die Buchverlagsgruppe Random House, deren Umsatz und Ergebnis stark von der Dollarentwicklung beeinflusst war. Der Unternehmensbereich BMG gab nach dem Verkauf des Musikverlagsgeschäfts bei Umsatz und operativem Ergebnis nach. Bereinigt um Portfolioeffekte steigerte BMG sein operatives Ergebnis in einem schwierigen Marktumfeld von 90 auf 93 Mio. €. Die Direct Group wies 2007 einen deutlich gesunkenen Umsatz- und Ergebnisbeitrag auf; im nordamerikanischen Clubgeschäft wurde eine hohe Wertberichtigung erforderlich."

Weiter heisst es in der Pressemitteilung: "Im Zuge der neuen Wachstumsstrategie wird Bertelsmann die Mittel für Investitionen auf wachstumsstarke Geschäfte konzentrieren. Die damit verbundenen Konsequenzen für die Direct Group umschrieb Hartmut Ostrowski wie folgt: 'Wir prüfen alle strategischen Optionen, inklusive eines möglichen Verkaufs.'" Ob dies nur für die Direct Group gilt, lässt sich nur mutmaßen. Und, nebenbei bemerkt, ist doch auch fraglich, wie lange das FreeTV noch so gute Ergebnisse erzielen wird. Das klassische Fernsehen jedenfalls wird schon sehr bald genau so von den neuen Nutzungsgewohnheiten und der Allmacht des Internet betroffen wie andere Medien.

Wachstumsfantasien kommen bei Bertelsmann eher aus dem Dienstleistungsgeschäft, etwa für Kommunen und Gemeinden: In England ist Bertelsmann schon als Dienstleister für einen Landkreis tätig, in Deutschland läuft ein Pilotprojekt für die Stadt Würzburg - dazu Spiegel Online: "Die Bertelsmann-Tochter Arvato soll künftig alle Abläufe in der Würzburger Kommunalverwaltung über eine zentrale Internet-Plattform steuern. Ziel sei es, Bürgern, Unternehmen und Partnern alle Dienstleistungen der Stadt über nur eine Anlaufstelle anzubieten. Arvato und die Stadt gaben die Partnerschaft heute gemeinsam bekannt."

Damit stellen sich erneut jene Fragen, die wir im Zusammenhang mit dem Konzept vom Verlag 3.o diskutieren: Was wird aus Verlagen? Ist das klassische, contentbasierte Geschäftsmodell noch tragfähig genug für wachstumsorientierte Konzerne und deren Shareholder?

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