Donnerstag, 6. März 2008

Was ist ein Verlag? Gedanken zum Thema Verlag 3.0

Das Konzept zum "Verlag 3.0" wird von uns seit Ende 2007 entwickelt. Begonnen haben wir die Diskussion mit einem kleinen Artikel in der November-Ausgabe unseres Newsletters, der zu einem großen Interview im Buchreport führte. Mittlerweile habe ich dazu einen Vortrag gehalten, weitere Vorträge folgen (u.a. am 28.05.2008 während des Kongresses der Deutschen Fachpresse, am 08.05.2008 während des Forum Herstellung von Klopotek und auf der Herstellertagung im Kloster Irsee).

Zentraler Ansatzpunkt des Konzeptes Verlag 3.0 ist die Frage: Was ist, was leistet, wie kommuniziert und wovon lebt ein Verlag zukünftig? Die an meinen Vortrag anschließende Diskussion in München war sehr interessant. Das Spektrum der Meinungen reichte von "für uns sind noch keine Geschäftsmodelle relevant" bis zu "dahin wird die Entwicklung gehen". Ich hatte in meinem Vortrag gezeigt, welche neuen Formen von contentbasierten Geschäften es gibt. Als ein Beispiel hatte ich das führende Reiseportal Holidaycheck angeführt, an dem sich 2006 Burda beteiligt hat. Content entsteht dort zu größten Teilen durch die Nutzer und dient letztlich der Vermarktung von Reisen: 95% des Umsatzes stammen aus E-Commerce, nur 5% aus Werbung, wie Burda-Manager Christoph Schuh in einem spannenden w&v-Webcast erläutert.

Wenn also ein Medienunternehmen ein Reisebüro kauft, stellt sich die Frage, wie weit Verlage heute ihre Wertschöpfungsketten definieren und mit welchen Teilen der Wertschöpfung sie zukünftig welche Umsatzanteile erzielen. In einem Strategieworkshop habe ich neulich intensiv mit einem Special Interest-Verlag über dieses Thema diskutiert: Welche Art der Information und anschließender Dienstleistung benötigt jemand, um ein Hobby auszuüben? Heute versteht sich ein Verlag als Contentverkäufer, morgen vielleicht als Serviceprovider, bei dem der Content nur noch ein Teil der Dienstleistung umfasst.

Die Diskussion in München hat deutlich gezeigt, dass dies keine akademischen Fragestellungen sind, sondern hier die Kernfragen verlegerischen Tun und Denkens berührt sind. Die Kunden werden zukünftig sich jenen Unternehmen zuwenden, die sie am besten mit Information, Unterhaltung, Kommunikation und Services versorgen - egal welches "Branchenetikett" auf ihnen klebt.

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