Donnerstag, 27. März 2008

Wann kommt die Content-Flatrate für Bücher?

Das Thema E-Book hatte ich in meinem Blog schön öfter behandelt (z.B. vom 11.01.2008). Dieses Digitalformat wird uns noch viel beschäftigen. Zwei aktuelle Meldungen zeigen, dass aus dem einstigen Sorgenkind ein Baustein für die Zukunftsstrategie der Verlage geworden ist:
  • Die Verlagsgruppe Random House führt einen Teil ihres Wachstum 2007 auf die im Sommer 2007 gestartete Volltextsuche Insight zurück: Die 8.000 online durchsuchbaren Titel verzeichnen einen spürbaren Nachfrageschub.
  • Das Amazon-Lesegerät Kindle, so meldet die taz, ist ausverkauft: "Offenbar verkauft sich Amazons E-Book-Lesegerät Kindle besser als bislang angenommen. Jeff Bezos, Firmengründer und CEO des Unternehmens, schrieb in einem Brief an die Kundschaft, man habe die Nachfrage nach dem Gerät trotz großer Hoffnungen unterschätzt. Am Tag des Verkaufsstart seien die ersten Modelle innerhalb von fünfeinhalb Stunden ausverkauft gewesen. 'Seither versuchen wir fieberhaft, unsere Produktionskapazität zu erhöhen', so Bezos. Derzeit ist der Kindle auf Amazon.com nur vorbestellbar, einen Liefertermin nennt das Unternehmen nicht. Bezos ging in seinem Brief aber davon aus 'in den nächsten paar Wochen' wieder Geräte vorrätig zu haben. Das Ziel sei dann, innerhalb von einem Tag jede Bestellung ausliefern zu können."
Zu diesen Meldungen passen die Ergebnisse einer neuen Studie, die das Fachmagazin Buchreport durchgeführt hat. Zum zweiten Mal nach 2006 wurde das Informationsverhalten der Bundesbürger untersucht. Ergebnis: Das Internet hat sich endgültig als führendes Informationsmedium etabliert, vor allem bei der Jugend liegt es unangefochten an der Spitze: 80% der 14 - 19jährigen gehen zuerst ins Internet, nur noch 11% bevorzugen ein Buch, 8% eine Zeitschrift. Schlussfolgerung von Buchreport: "Wenn im Internet gesucht wird, müssen Verlage, Bücher und andere Verlagssubstanzen mit Sach- und Wissensschwerpunkt auch ebendort gefunden werden. Dies wird sehr bald die Nagelprobe für alle Volltext- und Buchfinde-Ansätze sowie bei der Etablierung eigener Vermarktungsplattformen der Verlage."

Neben der Plattformfrage stellt sich jedoch auch die Frage des Vermarktungsangebotes. Hier könnte die Musikindustrie ausnahmsweise einmal Vorbild sein: Sony BMG plant die Einführung einer Musikflatrate in Höhe von 6 - 8 EUR pro Monat, wie u.a. der Internetdienst Golem meldet.

Das Modell einer Contentflatrate gibt es als Abonnement bei Verlagen schon lange - allerdings geht es hierbei stets um den Bezug eines einzelnen Verlagsobjektes (Zeitschrift, Loseblattwerk, Buchreihen). Die Contentflatrate der Zukunft muss mindestens Teilbereiche, wenn nicht sogar ein gesamtes Verlagsprogramm umfassen, besser noch wäre eine verlagsübergreifende Lösung (das plant auch Sony BMG). Dies wäre dann die wahre Geburtsstunde für einen digitalen Buchhandel, der momentan bei Amazon oder Ciando schon in Ansätzen realisiert wird.

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