Dienstag, 11. März 2008

Content und Commerce: Ein Widerspruch?

Bei der Arbeit an einer zukunftsfähigen Definition des Begriffes "Verlag" habe ich mich auch mit dem Thema E-Commerce beschäftigt. Anlass war zum einen ein Phänomen wie Holidaycheck - eine Website, die auf Basis von Bewertungen und Reiseinformationen Reisen vermarktet und eine der führenden Informationsangebote im Reisemarkt ist. Seit 2006 gehört das Unternehmen mehrheitlich zur börsennotierten TOMORROW FOCUS AG. Hauptgesellschafter der Tomorrow Focus AG ist das Verlagshaus Hubert Burda Media, also ein Verlag. Zum anderen hatte ich jüngst in einem Workshop mit einem Verlag eine vergleichbare Diskussion. Die Kernfrage lautete: Werden wir mit Informationen zukünftig noch genug Umsatz erwirtschaften, oder vielmehr mit E-Commerce (und darauf basierender Werbung), der auf Basis dieser Informationen möglich wird.

Diese Ideen habe ich ja auch schon in Vorträgen und Veröffentlichungen geäußert. In einem Telefongespräch mit dem Onlinemanager eines großen Verlages schlug mir ob dieser Meinung profunde Skepsis entgegen. Mit vollem Recht, denn jetzt erinnerte ich mich an die ersten Versuche, Content und E-Commerce zu vereinen. Das war in der ersten Dotcom-Boomphase um 2000. Damals dachten einige führende Verlage, dass durch ihren Content der E-Commerce richtig laufen lernt. Was ein krasser Irrtum war. Die Kunden wollten auf den Shoppingseiten nicht lesen, und auf den Contentseiten nicht kaufen.

Alles richtig. Aber erstens ist seitdem eine Menge Zeit vergangen, und zweitens gilt es, ein Phänomen wie Holidaycheck zu bewerten. Ein Grundproblem für den E-Commerce bei Verlagen war die Unabhängigkeit: Wie soll ich einem Journalisten vertrauen, der mir den Gegenstand, über den er schreibt, gleich auch noch verkaufen will? Holidaycheck hat für dieses Problem eine plausible Antwort gefunden: Es lässt die User bewerten und Content liefern! Verlage befinden sich eh mit dem Thema Empfehlung und Bewertung von Produkten am Rande der Glaubwürdigkeit, haben damit aber, vor allem in Special-Interest- oder Fachmedien, ständig zu tun.

Kern des Konzeptes vom Verlag 3.0 bleibt somit das Informations- und Kommunikationsmanagement von Communities. E-Commerce kann in bestimmten Fällen eine gute Ergänzung sein, und wenn es klug gemacht wird wie einem Reiseportal, auch die Haupterlösquelle. Die Diskussion geht also weiter...

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