Mittwoch, 20. Februar 2008

Was ist "Content" wert?

Die Diskussion über die Brockhaus-Entscheidung hält an. Eine Kernfrage der Debatte lautet: Was ist "Content", was sind qualitativ hochwertige Inhalte noch wert? Andrian Kreye analysiert diese Frage in der Süddeutschen aus historischer Perspektive: Schon beim Start des kommerziellen Internets habe AOL Content verschenkt, um Kunden zu finden und an sein geschlossenes Onlineangebot zu binden. Entsprechend pessimistisch beurteilt er die Chancen für einen Qualitätsanbieter wie Brockhaus: "Wenn nun eine Institution wie die Brockhaus Enzyklopädie vor dem neuen Geschäftsmodell kapituliert und sich im Netz dem freien Markt aussetzt, dann ist dies ein letztes Rückzugsgefecht eines universellen Kulturbegriffes. Noch fruchtete keiner der verzweifelten Versuche der Kulturwirtschaft, neue Verdienstmöglichkeiten im Netz zu suchen. Ganz konkret tritt Brockhaus nun ab Freitag gegen die Zusammenarbeit zwischen Spiegel Online, Bertelsmann und Wikipedia an, die als Spiegel Wissen seit Dienstag im Netz abrufbar ist. Weil Brockhaus weiterhin mit seiner teuren Expertenredaktion arbeiten wird, Spiegel Wissen aber einen Teil seiner Inhalte umsonst über Wikipedia erstellt, ist Brockhaus von vorneherein im Nachteil. Die Qualität ist da kein Argument. Das haben Youtube, die MP3-Musikdatei und die Blogs schon vorgeführt."

Eine ähnliche Diagnose stellt in der Welt Ulrich Clauss. Anhand des digitalen Bibliotheksprojekts zeno.org der Berliner Firma Directmedia beschreibt er, dass Inhalte in einem Publikumsmarkt nicht verkauft werden können: "Geschäftsführer Ralf Szymanski (39) sieht das neue Geschäft digitaler CD-Rom-Ausgaben von Büchern schon als ein altes: 'Am kostenlosen Internetangebot führt keine Weg vorbei', sagt er. Bezahlmodelle für kostenpflichtige Benutzerabrufe von Netzinhalten hält Szymanski für keine Perspektive. Geld bringe nur begleitende Werbung." Aber auch Directmedia verdient nicht genug mit Werbung .

Keine Frage: Inhalte haben durch das Internet einen beispiellosen Werteverfall erfahren. Vor allem im Publikumsmarkt gelten die gleichen Gesetze wie im Fernsehen: Free TV liefert eine kostenfreie Grundversorgung, Pay TV hängt an exklusiven Inhalten, und das ist vor allem Sport (neben Erotik, für die ja auch im Internet gezahlt wird). Ob Werbung jedoch ausreicht, um die in vielen Printprodukten erreichte Qualität zu finanzieren, bleibt die große Frage.

Keine Kommentare: