Montag, 11. Februar 2008

Brockhaus reagiert auf Wikepedia und Wissen Media Verlag

Das Internet zwingt immer mehr Verlage zur Änderung ihres Geschäftsmodells. Besonders dramatisch ist die Situation für Verlage, die Wissen in Publikumsmärkten vermarkten. Denn noch nie war so viel Wissen kostenlos zugänglich wie heute. Nur so ist zu erklären, dass ein Prmiumanbieter wie Gräfe und Unzer ein kostenfrei zugängliches Kochportal gelauncht hat (Kuechengoetter).

Jetzt reagiert mit Brockhaus einer der traditionsreichsten Wissensverlage. Nachdem Wettbewerber Wissen Media (Bertelsmann) bereits Ende 2007 zusammen mit dem Spiegel den Start eines kostenfrei zugänglichen Wissensportal angekündigt hat (siehe dazu meinen Blogbeitrag von 15. Januar 2008), geht Brockhaus jetzt in die Offensive. Treiber der Entwicklung ist natürlich in erster Linie Wikipedia, die laut ARD-ZDF-Online-Studie mit einer Reichweite von 82% längst das ungeschlagene Wissensleitmedium der Jugend ist. Brockhaus wird, so meldet der BuchMarkt, noch im April ein kostenloses Wissensportal launchen. Nur zur Erinnerung: Brockhaus hat mit Tanto / Xipolis jahrelang eine Paid Content-Strategie verfolgt. Die Finanzierung soll über Werbung erfolgen. Im Herbst soll dann ein spezielles Schülerportal folgen, und zwar kosten- und werbefrei!

Die Markt- und Potentialanalyse bei Brockhaus fällt laut BuchMarkt ebenso ernüchternd wie realistisch aus: "Die negative Umsatzentwicklung bei den klassischen A–Z-Nachschlagewerken und auch bei den digitalen Nachschlagewerken wie 'Brockhaus multimedial' wird sich nach Einschätzung des Verlages aber weiter verstärken, was bereits im abgelaufenen Jahr für erhebliche Probleme beim Mannheimer Verlag sorgte. Zwar steht die Bilanz für das Jahr 2007 noch nicht fest, doch zeichnet sich ein Verlust in der Größenordnung von mehreren Millionen Euro ab. Was im Klartext heißt: Man denkt deshalb über weitere Kostensenkungsmaßnahmen nach."

Der Verkauf der physischen Nachschlagewerke (ob gedruckt, auf DVD oder auf USB-Stick) geht kontinuierlich zurück, die User schlagen immer mehr online nach und sich nicht bereit, dafür zu lasen. Mit anderen Worten: Das klassische Geschäftsmodell funktioniert immer weniger. Dass mit Werbung und Sponsoring in der Startphase nicht annähernd ein vergleichbarer Umsatz wie in Print erzielt werden kann, ist den Beteiligten sicher bewusst. Aber eine offensive Vorwärtsverteidigung scheint jetzt angebrachter als die reine Absicherung bestehender Geschäfte.

1 Kommentar:

hemartin hat gesagt…

Ich entnahm den Meldungen, dass der Verlag auf den Umsatzeinbruch und eingefahrenen und anstehenden Verlust reagiert und nicht auf Wikipedia und Wissen Media!?

Geschäfte, die noch Geschäfte sind, abzusichern und zu entwickeln ist genauso Aufgabe des Managements, wie neue Modelle für veränderten Informationsbedarf und Nutzungsverhalten zu entwickeln. Wenn es Brockhaus gelingt im Internet & Mobile den anderen statt einem Schritt hinterher, einen Schritt voraus zu sein - also mit Angeboten und Services ansetzt den neuen (und den alten) Wettbewerb zu überholen, hat Brockhaus die Chance den Markenwert deutlich auszuweiten.

Sie sind da vielleicht näher dran, aber das was ich bisher gehört und gelesen habe, spricht nicht dafür, dass man um Platz und Sieg kämpft. Und jetzt erst einmal die Redaktion abzubauen, statt auszubauen wäre ein erster Schritt, allerdings in die falsche Richtung!