Dienstag, 29. Januar 2008

Verlag 3.0: Kommt "Mass Customization" auch in der Verlagsbranche?

Unter dem Begriff "Mass Customization" wird ein Trend in der Industrie nicht mehr nur diskutiert, sondern schon in zahlreichen Projekten umgesetzt. Dabei handelt es sich zum einen um die Anpassung von Massenprodukten an individuelle Bedürfnisse, zum anderen um die Mitwirkung von Kunden bei der Schaffung neuer Produkte ("Open Innovation").

In Deutschland beschäftigt sich mit dem Thema u.a. Prof. Dr. Frank T. Piller vom Lehrstuhl für Technologie und Innovationsmanagement der RWTH Aachen. Er betreibt nicht nur Forschungsprojekte, sondern auch eine spannende Website zum Thema. Empfehlen kann ich seine achtminütige Einführung per Video auf der Website Fördergelder.de. Darin beschreibt er u.a., wie Adidas zunächst nur für die Spitzensportler individualisierte Sportschuhe gefertigt hat, aber durch Kundenanfragen dann dazu gebracht wurde, einen Mass Customization-Prozess umzusetzen.

In der Verlagsbranche ist dies weiß Gott kein neues Thema: Über "Personalisierung" wurde schon viel gesprochen. Sichtbare und erfolgreiche Projekte sind jedoch selten. Ein Beispiel etwa sind die JollyBooks, individualisierbare Kinderbücher vom Verlag Wissen Media.

Warum hat das Thema bisher noch so wenig Relevanz im Verlagsbereich? Vielleicht, weil den Verlegern die Phantasie fehlt, die Kunden in die Produktentwicklung zu integrieren. Wie ich jedoch weiß, nutzen immer mehr Lektoren und Produktmanager Foren für die Ermittlung neuer Trends, teilweise auch für die Gewinnung neuer Autoren. Verlagsprodukte eignen sich perfekt für eine Personalisierung, die notwendige Technologie, das zeigt u.a. das Beispiel der JollyBooks, ist ausgreift, sogar gedruckte 1:1-Produkte sind zu vernünftigen Preisen herstellbar. Oder gibt es noch keinen Kundenbedarf?

Ohne die Fragen endgültig zu klären, möchte ich zum Abschluss dieses Postings Prof. Pillers schöne Definition dieses höchst spannenden Trends zitieren: "Mass Customization heißt das Stichwort - jedem sein individuelles Produkt. Seien es T-Shirts bei Spreadshirt, Müsli bei MyMüsli oder der selbst zusammengestellte Computer bei Dell. Unternehmen versuchen vermehrt ihre Produkte auf die individuellen Wünsche der Kunden abzustimmen. So wird jeder Konsument zu einer eigenen Zielgruppe – ganz wie es die aktuelle Arcor-Werbung verheißt. Dementsprechend legen viele Unternehmen Wert darauf, die Kommunikation zu ihren Kunden zu intensivieren und sie in den Wertschöpfungsprozess mit einzubeziehen (Open Innovation). Sie haben erkannt, dass sie mit den Kunden reden müssen, um ihre Bedürfnisse zu begreifen - und das Mitmach-Web mit seinen Blogs, Foren und Sozializing-Funktionen liefert das perfekte Umfeld."

Hinweis: In der Februar-Ausgabe unseres Newsletters finden Sie einen Artikel zum Thema "User Generated Produtcs".

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