Dienstag, 15. Januar 2008

Archive auf, Nutzer drauf

Es war eigentlich klar, dass die Verlage sich den Erfolg von Wikipedia und anderen kostenfreien Contentportalen zum Vorbild nehmen werden. Zumal in einer Zeit, in der die Internetwerbung als einziger Bereich in diesen Dimensionen wächst.

Guter Content bietet Reichweite, und Reichweite lässt sich einfacher vermarkten als kostenpflichtige Inhalte. Die Lexikonverlage erkennen dies langsam, zum Teil nach jahrelangen Versuchen, Lexikoninhalte zu verkaufen (siehe Xipolis). Der Bertelsmann-Verlag Wissen Media baut hat deshalb zusammen mit dem Magazin Spiegel ein Wissenarchiv auf. Der Spiegel bringt dabei sein gesamtes Volltextarchiv ein - Zugang kostenlos:

"Die SPIEGELnet GmbH und die Bertelsmann-Tochter Wissen Media Group (Wissen Media Verlag und wissen.de) haben ein Joint Venture gegründet und starten im Frühjahr 2008 SPIEGEL Wissen (wissen.spiegel.de), ein neues multimediales Rechercheportal im Internet. SPIEGEL Wissen greift zu auf die Inhalte des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL und von SPIEGEL Online sowie der Bertelsmann-Lexika und -Wörterbücher. Hinzu kommen die Einträge aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. „SPIEGEL Wissen ist die intelligente Verknüpfung von redaktionellen und lexikalischen Informationen auf höchstem inhaltlichem und technischem Niveau. Erstmals wird es möglich sein, alle relevanten Informationen zu einem Suchwort aus unterschiedlichen kompetenten Quellen mit einem Klick zu finden“, so Dr. Mario Frank, Geschäftsführer des SPIEGEL-Verlags."

Jetzt zieht Focus nach: Unter www.focus.de/archiv kann das gesamte Archiv kostenfrei durchsucht werden (mit Ausnahme der aktuellen Ausgaben). Auch Fachverlage folgen dieser Strategie: Schon seit August 2006 hat die Computerwoche ihr Gesamtarchiv geöffnet.

Nur zur Erinnerung: Volltextarchive waren (und sind) ein hochbepreistes Produkt, Datenbanken wie GBI-Genios oder Lexis-Nexis haben darauf ihr Geschäftsmodell gebaut. Was die neue Entwicklung für sie bedeutet, wird spannend zu beobachten sein. Ihr Vorteil (noch): Sie aggregieren produktübergreifend Inhalte und bieten so eine einzigartige, teilweise nicht kostenfrei zugängliche Contentmenge. Für Firmenkunden und Fachinformationskunden sicher immer noch ein unschätzbarer Vorteil. Einzelne Nutzer, auch aus dem professionellen Umfeld, werden zukünftig jedoch immer häufiger erst mal "googeln". Das ist übrigens auch die Erkenntnis einer großen Studie, die wir 2007 zum Thema wissenschaftliche Literaturrecherche durchgeführt haben: Sogar die Forscher suchen zunächst nach der freien Information...

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