Andererseits wächst und gedeiht das E-Book schon seit Jahren im Bereich der Fach- und Sachbücher, wie das E-Book-Portal Ciando oder auch Springers ehrgeiziges E-Book-Programm zeigen. Der Erfolg dieser Modelle basiert auf einem plattformunabhängigen Zugang zu diesen Büchern: Sie können auf jedem Endgerät gelesen werden.
Das negative Urteil zu den elektronischen Büchern resultierte vor allem auf der erfolglosen Markteinführung spezieller Lesegräte, die fast alle wieder verschwunden sind (z.B. Gemstar). Macht es da Sinn, dass Amazon nun, wie schon lange angekündigt, mit dem Kindle ein eigenes Lesegerät auf den Markt bringt? Gute Frage, den auch der weltweit größte Internetbuchhändler wird die Leser nicht zwingen können, ein technisches Gerät zu nutzen. Allerdings bestehen drei wesentliche Unterschiede zu den gefloppten Versuchen:
- Die Technik der Lesegeräte hat sich erheblich verbessert. Vor allem die Display-Technik ist nicht mit klassischen PC-Bildschirmen vergleichbar. Elektronisches Papier hat vergleichbare Eigenschaften wie richtiges Papier: So wird die Lesbarkeit sogar besser, wenn das Display ins Licht gehalten wird. Zudem ist das Kindle sehr schmal und verfügt über einen mobilen Internet-Anschluss.
- Mit Amazon bringt ein Inhaltehändler, und nicht etwa ein Technikunternehmen, das Gerät auf den Markt. Durch den Kauf von Mobipocket verfügt Amazon über eine ausgereifte Datentechnologie und kann in Europa bereits 50.000 Bücher zur Verfügung stellen. Zudem hat Amazon sich und vor allem die Verlage mit seinem "Search Inside!™"-Programm auf das elektronische Buch gut vorbereitet. Und eine professionelle Verkaufsplattform hat Amazon bekanntlich auch...
- Verlage erkennen zunehmend, dass Teile ihrer Kunden durchaus auf digitale Informationen zugreifen. Das Medienverhalten der nachwachsenden Leser verändert sich rapide.
In jedem Fall pusht Amazon den gesamten E-Book-Markt - übrigens auch den für E-Paper-Ausgaben von Zeitungen und Zeitschriften: Mit Kindle können schon jetzt Abonnements bezogen werden. Bleibt die Frage, ob es dazu eines eigenen Lesegerätes bedarf, oder ob wir Inhalte nicht lieber auf allen unseren Geräten abrufen und lesen wollen. Google, oft einen Schritt voraus, kann in naher Zukunft seine Buchsuche und das neue Handybetriebssystem Android kombinieren, um Inhalte zu verbreiten.
Wie auch immer: Verlage sollten jetzt das Potential digitaler Inhalte erkennen. Denn ohne diese machen alle Geräte und Verkaufsplattformen keinen Sinn..
Weitere Informationen zum Thema: Spiegel Online, O'Reilly-Blog, Steven Levy zu The Future of Reading.