Jahrelang hat die Musikindustrie das Onlinegeschäft u.a. mit dem Argument verhindert, dass die Dateien dann unkontrolliert weiter verbreitet werden können. Apples iTunes, das die Musikbranche revolutioniert hat, konnte nur starten, weil es einen Kopierschutz (sog. DRM ) integriert hat. Doch DRM macht Probleme für die Kunden: Dateien können oft nur auf einem Gerät abgespielt werden, der Kunde fühlt sich zudem kontrolliert.
Apple-Chef Steve Jobs hat deshalb Anfang Februar an alle Plattenfirmen einen Brief geschickt mit der Bitte, auf DRM-Schutz zu verzichten (siehe dazu mein Blogeintrag vom 12 März 2007). Spektakulärer Erfolg: EMI hat erlaubt als erster, ungeschützte Musikdateien via iTunes zu verkaufen, mit einem Preisaufschlag von 30 Cent.
Kleine Plattenlabels haben das schon immer so gemacht, mit Erfolg, wie Spiegel Online berichtet: "Dass es auch anders geht, demonstrieren einige kleinere Online-Plattenläden bereits seit geraumer Zeit. So bezeichnet sich der auf Independent-Labels spezialisierte Hamburger Anbieter finetunes selbst als einen der "größten Online-Distributoren". Dort kostet Musik, ebenso wie im iTunes Store, 0,99 Euro pro Song im Einzelkauf und 9,99 pro Album - das alles aber generell ohne DRM. Denn, so sieht es die Firmenphilosophie vor, "kostenpflichtige Musik-Download-Services werde erst dann erfolgreich sein, wenn sie mindestens genauso komfortabel und attraktiv sind wie vergleichbare illegale Angebote". Dass ein System ohne DRM Erfolg haben wird, da ist man sich bei finetunes sicher, denn "Kunden geben gerne Geld aus, es muss nur funktionieren und Spaß machen".
In einer Untersuchung hatten wir 2006 festgestellt, dass die meisten Verlage auf DRM verzichten. Allerdings überlegen einige die Einführung. Die neuesten Entwicklungen im Musikbereich sollten die Verlage ermutigen, Downloads so einfach wie möglich zu machen und den Kunden zu vertrauen. Spiegel Online: "Mit der Ankündigung von heute macht EMI ohne Frage einen riesigen Schritt in die richtige Richtung."
Wikipedia-Artikel zu DRM
AG Piraterie des Börsenvereins zu DRM
Zeitschrift "Technikfolgeabschätzung" mit dem Schwerpunkt DRM im kostenlos Volltext
In diesem Blog kommentiere ich aktuelle Entwicklungen in der Verlags- und Medienbranche - vor allem im Hinblick auf die Digitalisierung und den Wandel der Mediennutzung.
Dienstag, 3. April 2007
Sonntag, 1. April 2007
Preisbindung! Preisbindung?
Die Preisbindung gilt in Deutschland für Presseerzeugnisse und für Bücher, sie ist seit Jahren im Preisbindungsgesetz geregelt. Hauptargument für die Preisbindung ist vor allem der Erhalt der Vielfalt in der Buchbranche, sowohl was die Zahl der Verlage, vor allem aber was die Zahl der Buchhandlungen betrifft.
Doch eines ist gewiss: Trotz Preisbindung geht die Konzentration im Buchhandel immer weiter, wie selbst der Börsenverein gerade wieder festgestellt hat.
Wolfgang Körner beschreibt in seinem Blog die Preisbindungsrealität: "Ja, wir haben in Deutschland für Bücher gebundene Ladenpreise. Sie sollen, das sagt man uns jedenfalls immer, die literarische Vielfalt und den Fortbestand mittelgroßer und kleiner Buchhandlungen ermöglichen. Aber tut der gebundene Ladenpreis das? Gewiss nicht, wenn er zwar für die Buchhändler gilt, unsere Verlage jedoch den Großbuchhändlern horrende Rabatte gewähren, die zwar – dem steht die Preisbindung im Wege - nicht zu niedrigeren Preisen für den Leser führen, den Großbuchhändlern aber jenen wirtschaftlichen Vorteil verschaffen, der sie unermüdlich expandieren lässt. Im Einkauf liegt bekanntlich der Segen. Der mittelgroße Buchhändler bekommt für seine 3 Exemplare eines Titels um die 40% Rabatt. Die große Buchhandelskette kauft unter mindestens 50% vielfach nicht mehr ein, und nach oben ist bei vielen Verlagen der Rabatthimmel offen. Mit Jahresumsatzpauschalen, Werbekostenzuschüssen, Aktionspauschalen und Schaufenstersonderzuschüssen und anderen heimlichen Preissenkungen kauft die Kette praktisch meist mit 65% Rabatt ein."
Körners Fazit: "Preisbindung hin, Preisbindung her – durch die ausgewiesenen und versteckten Mengenrabatte, die sie den großen Buchhandelsketten gewähren, begünstigen Verlage diese Großeinzelhändler. In immer mehr Städten haben sie bereits ein Monopol."
Der Erhalt der buchhändlerischen Vielfalt durch die Preisbindung wird angesichts dieser Entwicklungen mehr und mehr in Frage gestellt. Die Preisbindung entwickelt eher zu einem Instrument, dass vor allem den großen Händlern dient...
Text des Preisbundungsgesetzes
Informationen vom Preisbindungstreuhänder auf preisbindungsgesetz.de
Wikipedia-Artikel mit weiterführenden Links
Informationen des Börsenvereins zum Thema
Zeit-Artikel zum Thema Konzentration im Buchhandel
Doch eines ist gewiss: Trotz Preisbindung geht die Konzentration im Buchhandel immer weiter, wie selbst der Börsenverein gerade wieder festgestellt hat.
Wolfgang Körner beschreibt in seinem Blog die Preisbindungsrealität: "Ja, wir haben in Deutschland für Bücher gebundene Ladenpreise. Sie sollen, das sagt man uns jedenfalls immer, die literarische Vielfalt und den Fortbestand mittelgroßer und kleiner Buchhandlungen ermöglichen. Aber tut der gebundene Ladenpreis das? Gewiss nicht, wenn er zwar für die Buchhändler gilt, unsere Verlage jedoch den Großbuchhändlern horrende Rabatte gewähren, die zwar – dem steht die Preisbindung im Wege - nicht zu niedrigeren Preisen für den Leser führen, den Großbuchhändlern aber jenen wirtschaftlichen Vorteil verschaffen, der sie unermüdlich expandieren lässt. Im Einkauf liegt bekanntlich der Segen. Der mittelgroße Buchhändler bekommt für seine 3 Exemplare eines Titels um die 40% Rabatt. Die große Buchhandelskette kauft unter mindestens 50% vielfach nicht mehr ein, und nach oben ist bei vielen Verlagen der Rabatthimmel offen. Mit Jahresumsatzpauschalen, Werbekostenzuschüssen, Aktionspauschalen und Schaufenstersonderzuschüssen und anderen heimlichen Preissenkungen kauft die Kette praktisch meist mit 65% Rabatt ein."
Körners Fazit: "Preisbindung hin, Preisbindung her – durch die ausgewiesenen und versteckten Mengenrabatte, die sie den großen Buchhandelsketten gewähren, begünstigen Verlage diese Großeinzelhändler. In immer mehr Städten haben sie bereits ein Monopol."
Der Erhalt der buchhändlerischen Vielfalt durch die Preisbindung wird angesichts dieser Entwicklungen mehr und mehr in Frage gestellt. Die Preisbindung entwickelt eher zu einem Instrument, dass vor allem den großen Händlern dient...
Text des Preisbundungsgesetzes
Informationen vom Preisbindungstreuhänder auf preisbindungsgesetz.de
Wikipedia-Artikel mit weiterführenden Links
Informationen des Börsenvereins zum Thema
Zeit-Artikel zum Thema Konzentration im Buchhandel
Abonnieren
Posts (Atom)