Dienstag, 4. Dezember 2007

Weka, Haufe, New York Times, Gräfe und Unzer: Das Web als neues Leitmedium

Jetzt wird ernst gemacht - immer mehr Verlage nehmen die Internet-Herausforderung an. Der Weg: große Projekte, große Investitionen. Im Gegensatz den den oftmals klein, aber smart beginnenden Startups nehmen große Verlage gleich viel Geld in die Hand, frei nach dem Motto: Wir wollen die besten sein, also muss es gleich der große Wurf werden. Nachholbedarf wird so durch Investitionen kompensiert... Das zeigen vier aktuelle Beispiele:
  1. Die Fachverlagsgruppe WEKA hat eine neue Softwareinfrastruktur geschaffen, mit deren Hilfe alle Gruppenverlage Onlineportale aufsetzen können. Dabei soll der Wandel von einem Loseblattverlag zu einem Zielgruppendienstleister vollzogen werden - dazu CEO Heinz Weinheimer in Bösenblatt Online: "Bislang hatte das Loseblattwerk in der Hauptsache den Sinn, eine Nachschlageinformation, eine Art von papierner Datenbank zu bieten. Die neuen Lösungen gehen deutlich darüber hinaus. Wir wollen mit unserem Informationsangebot auch den Workflow unseres Kunden unterstützen und Arbeitsabläufe optimieren. – Ein Beispiel: Arbeitsschutzbeauftrage in Betrieben müssen gesetzliche Vorschriften und regelmäßige Kontrolltermine einhalten. Das läuft immer nach einer bestimmten Routine ab. Wir bieten dem Kunden nun eine Software, die ihm sein Aufgabenmanagement erleichtert. Auf seinem Rechner erscheint zum richtigen Zeitpunkt eine Zeitvorlage, es öffnen sich Fenster mit passenden Checklisten, und aus der Datenbank bezieht er die Information, die er an die Belegschaft weitergeben muss." Nach Angaben von WEKA wurde ein zweistelliger Millionbetrag investiert.
    Erstes gelaunchtes Projekt: das Familienrechtsportal.
  2. Die Haufe-Gruppe launcht eine Reihe von Fachportalen, die zu einem der führenden Angebote für die jeweiligen Zielgruppen werden sollen. Dabei sollen Content- und Community-Elemente miteinander kombiniert werden. Dazu Reiner Straub, Geschäftsführer von Haufe Fachmedia, in Buchmarkt Online: "Es gibt reine Content-Portale auf dem Markt und reine Communities, also Portale ohne Fachinhalte. Haufe verbindet beides und das auf einem Niveau, das nach unserer Einschätzung führend in Deutschland sein wird“.
  3. Die New York Times löst ihre Onlineredaktion auf. Diese war mit 50 Redakteuren eher dünn besetzt - für den Printtitel arbeiten 1.200 Redakteure. Die Onlineausgabe soll so von einer Verlängerung zum eigenständigen und gleichberichtigten Produkt werden. Jeder Journalist arbeitet nun für alle Medien, jeder kann bloggen und Videos produzieren. Gleichzeitig hat die New York Times ihr Paid Content-Angebot "Times Select" abgeschaltet, alle Inhalte sind frei zugänglich, weil man sich mehr Werbeerbelöse als beim Contentverkauf verspricht (siehe dazu meinen Blogbeitrag vom 11.09.2007).
  4. Gräfe und Unzer hat sein neues Portal Küchengötter gestartet. Genau wie bei Haufe eine Kombination aus Verlagscontent und Community. Geschäftsmodell: Werbung, Sponsoring, Buchmarketing - für die Nutzer soll alles kostenfrei bleiben.
Auch wenn die Online-Umsätze noch nicht den Erwartungen entsprechen: Die klassischen Geschäftsmodelle der Verlage sind teilweise nicht zukünftsfähig genug (Beispiel Loseblatt), oder müssen in der Onlinewelt abgebildet werden (Beispiel Werbung). Jedoch obacht - wichtiger als millionenschwere Großprojekte ist die Mentalitätsveränderung in den Köpfen der Verlage: Internet ist kein Projekt, es ist auch kein klassisches verlegerisches Produkt. Es ist eine vollkommen neue Form der Interaktion mit Kunden, es erfordert neue Denk- und Beurteilungweisen, andere Workflows, anderes Controlling. Ich bin gespannt, welche Launches wir in 2008 noch erleben werden...

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