Freitag, 20. Juli 2007

Neue Medien: Bücher als Gewinner?

Jahrelang wurde Buchbranche von anderen Mediengattungen eher milde belächelt: Sie galt als altmodisch, als konservativ, als wenig innovativ. Als die Neuen Medien aufkamen, wurde das Buch schnell totgesagt. Doch jetzt stellt sich heraus, dass das Buch besser dasteht als alle vergleichbaren Medien. In einer Zusammenstellung von Nutzerdaten der Zeitschrift Media Perspektiven zeigt sich, dass nur das Buch in der Nutzunghäufigkeit zugelegt hat (Nutzung mehrmals wöchentlich, in Klammern jeweils Veränderung gegenüber 2001)
  • Buch: 38% (+3%)
  • Zeitung: 84% (-6%)
  • Zeitschriften: 35% (-5)
  • Fernsehen: 89% (-2%)
  • Radio: 80% (-4%)
Diese Zahlen werden durch die Umsatzentwicklung in der Buchbranche bestätigt: Nicht nur wegen des Harry Potter-Booms wird 2007 ein sehr gutes Jahr für Buchverlage. Mit welchem unserer Buchverlagskunden ich auch spreche: Die Umsätze steigen, die Stimmung ist ausgezeichnet.

Diesen Trend bestätigt auch der Branchenexperte Boris Langendorf in seiner Entwicklunganalyse: "Besonders erfreulich: Endlich sind die Erwartungen wieder besser als die Einschätzung der aktuellen Situation. Zwar nur um einen Prozentpunkt und damit unterhalb der Signifikanzgrenze – aber nach 14 Monaten, in denen es umgekehrt war, ist dies ein positives Signal. Schon zur Jahresmitte hat der Buchhandel einen Umsatzvorsprung gegenüber dem fußballgeschädigten Vorjahr. Wenn sich zu den zwei »Potter«-Launches jetzt auch noch eine allgemeine Konsumbelebung gesellt, sind das gute Gründe für einen weiteren Stimmungsanstieg."

Im Gegensatz steht die Lage und die Stimmung bei den Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen: Das Internet gewinnt hier immer mehr an Bedeutung, wie Spiegel Online anhand des Informationsverhaltens bei Nachrichten feststellt: "Das Internet etabliert sich neben Zeitung, TV und Radio immer stärker als vierte Quelle für aktuelle Nachrichten. Im ersten Halbjahr 2007 wurden die 20 meistgenutzten News-Portale in Deutschland rund 1,8 Milliarden Mal besucht - ein Plus von 15 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2006. Damals lag der Wert bei 1,6 Milliarden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Langzeiterhebung, des Bundesverbands Informationwirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom)."

Die Pressekonzerne Springer, Holtzbrinck und Burda kaufen deshalb seit Momnaten eine Internetfirma nach der nächsten - zu Preisen, die viele schon von einem neuen Hype sprechen lassen. Das Branchenblatt Horizont titelt deshalb in seiner neuen Ausgabe: "Einkaufslust der Verlage im Internet ruft Zweifel hervor."

Die Herrausforderungen für Radio und Fernsehen sollen hier gar nicht weiter ausgeführt werden - sie werden überall breit diskutiert. Zusammenfassend lässt sich feststellen: Broadcasting-Modelle sind weit mehr vom Medienumbruch betroffen als das gute, alte Buch, das als Träger von Wissen und Unterhaltung einfach unersetzlich bleibt.

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