Dienstag, 31. Juli 2007

"Branded Content": Markeninhalte in Zeiten des User Generated Content (UGC)

Wikipedia gilt als der schlagenste Beweis für die These, dass kollektive Intelligenz in Form eines "basisdemokratisch" erstellten Lexikons erfolgreicher, umfangreicher und überhaupt moderner als traditionelle, von Verlagen erstellte Nachschlagewerke sein können. Brockhaus war gestern, Wikipedia ist heute: Mit dieser Entwicklung sehen sich immer mehr Verlage konfrontiert, deren Geschäftsmodell in der Aufbereirung und Vermarktung von Wissen besteht. Die Zugriffszahlen auf das Wikipedia-Portal sind für Verlage tatsächlich alarmierend: Laut comScore befindet sich Wikipedia unter den 10 meistbesuchten Websites in Deutschland, weit entfernt von allen Verlagswebsites. Bei jungen Leuten dürfte Wikipedia das führende Nachschlagemedium sein (siehe dazu mein Blogeintrag zu Wikis).

Verlage haben sich bisher immer damit beruhigt, dass (1) die Verkäufe ihrer Nachschlagewerke noch immer funktionieren, weil (2) ja nur sie geprüftes und abgesichtertes Wissen publizieren, während auf Wikipedia von Fälschungen bis hin zu Irrtümern alles zu finden ist. In das gleiche Horn stösst nun auch Larry Sanger, der Co-Gründer von Wikipedia. In einem langen Beitrag für das Onlinemagazin Edge erläutert er, dass auch in einer Welt der demokraischen Wissensteilung und -erstellung Experten eine Existenzberechtigung haben: "I support meritocracy: I think experts deserve a prominent voice in declaring what is known, because knowledge is their life. As fallible as they are, experts, as society has traditionally identified them, are more likely to be correct than non-experts, particularly when a large majority of independent experts about an issue are in broad agreement about it. In saying this, I am merely giving voice to an assumption that underlies many of our institutions and practices. Experts know particular topics particularly well. By paying closer attention to experts, we improve our chances of getting the truth; by ignoring them, we throw our chances to the wind. Thus, if we reduce experts to the level of the rest of us, even when they speak about their areas of knowledge, we reduce society's collective grasp of the truth."

Larry Sanger spricht damit natürlich auch pro domo: Er hat Wikipedia verlassen, um "Citizendium" zu gründen, eine Online-Enzyklopädie, die zwar auch auf Web 2.0-Prinzipien basiert, sich aber klar von Wikipedia abgrenzt:

"We are an encyclopedia project, and more.

We are a different sort of Web 2.0 project:

  • We aim at credibility and quality, not just quantity.
  • We offer gentle expert oversight.
  • We use our real names, not pseudonyms.
  • We're collegial.

We have added over 2,400 articles since Nov. 2006."

Was bedeutet dies für Verlage? Markeninhalte behalten ihren Wert, wenn sie wirklich halten, was sie versprechen. Aber: Ausruhen gilt nicht. Expertencommunities wie das neue Sanger-Projekt können um so gerfährlicher werden, wenn sie durch Qualitätskontrollen einen Standard erreichen, den bisher nur Verlage bieten konnten (oder diesen sogar mit Hilfe eines weltweiten Expertennetzwerkes noch übertreffen).

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