Dienstag, 3. April 2007

DRM auf dem Rückzug?

Jahrelang hat die Musikindustrie das Onlinegeschäft u.a. mit dem Argument verhindert, dass die Dateien dann unkontrolliert weiter verbreitet werden können. Apples iTunes, das die Musikbranche revolutioniert hat, konnte nur starten, weil es einen Kopierschutz (sog. DRM ) integriert hat. Doch DRM macht Probleme für die Kunden: Dateien können oft nur auf einem Gerät abgespielt werden, der Kunde fühlt sich zudem kontrolliert.

Apple-Chef Steve Jobs hat deshalb Anfang Februar an alle Plattenfirmen einen Brief geschickt mit der Bitte, auf DRM-Schutz zu verzichten (siehe dazu mein Blogeintrag vom 12 März 2007). Spektakulärer Erfolg: EMI hat erlaubt als erster, ungeschützte Musikdateien via iTunes zu verkaufen, mit einem Preisaufschlag von 30 Cent.
Kleine Plattenlabels haben das schon immer so gemacht, mit Erfolg, wie Spiegel Online berichtet: "Dass es auch anders geht, demonstrieren einige kleinere Online-Plattenläden bereits seit geraumer Zeit. So bezeichnet sich der auf Independent-Labels spezialisierte Hamburger Anbieter finetunes selbst als einen der "größten Online-Distributoren". Dort kostet Musik, ebenso wie im iTunes Store, 0,99 Euro pro Song im Einzelkauf und 9,99 pro Album - das alles aber generell ohne DRM. Denn, so sieht es die Firmenphilosophie vor, "kostenpflichtige Musik-Download-Services werde erst dann erfolgreich sein, wenn sie mindestens genauso komfortabel und attraktiv sind wie vergleichbare illegale Angebote". Dass ein System ohne DRM Erfolg haben wird, da ist man sich bei finetunes sicher, denn "Kunden geben gerne Geld aus, es muss nur funktionieren und Spaß machen".

In einer Untersuchung hatten wir 2006 festgestellt, dass die meisten Verlage auf DRM verzichten. Allerdings überlegen einige die Einführung. Die neuesten Entwicklungen im Musikbereich sollten die Verlage ermutigen, Downloads so einfach wie möglich zu machen und den Kunden zu vertrauen. Spiegel Online: "Mit der Ankündigung von heute macht EMI ohne Frage einen riesigen Schritt in die richtige Richtung."

Wikipedia-Artikel zu DRM
AG Piraterie des Börsenvereins zu DRM
Zeitschrift "Technikfolgeabschätzung" mit dem Schwerpunkt DRM im kostenlos Volltext

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