Freitag, 16. März 2007

Kongress Magazine Media 2.0: Verlage denken multimedial

One Brand, all media: Alle Referenten des Kongress Magazine Media 2.0 waren sich einig, dass die multimediale Markenführung die Herausforderung für alle Verlage ist und bleiben wird. Die Herausforderung dabei darin, jedes Medium mit seinen spezifischen Anforderungen zu erkennen. Entscheidende Faktoren sind neben den Marken die Zielgruppen, oder neudeutsch: die Communities, die ein Verlag mit seinen Medien bedient.

Folgende Erkenntnisse sind mir von dieser interessanten Tagung besonders wichtig:
  1. Zeitschriften sind ideale Ausgangspunkte für multimediale Marken. Verlage erkennen und nutzen zunehmend dieses Potential und bauen massiv ihre Onlineaktivitäten aus. Verlage generieren über ihre Medienmarken (on- und offline) sehr viele Kontakte, die sie perfekt für die Vermarktung von Produkten, Services und Werbung nutzen können.
  2. Aus Abonnentenadressen werden dabei Kunden, denen ein umfassendes Informations- und Unterhaltungsangebot angeboten wird. Customer Reklationship Management und Kundennähe werden zu überlebenswichtigen Prinzipien.
  3. Das Internet ist, was die Werbeumsätze betrifft, deutlich unterkapitalisiert.
  4. Werbeetas werden zunehmend in Medien investiert. Am meisten wird darunter das Fernsehen leiden: Dr. Olaf Göttgens, Vice President Brand-Communications Mercedes Auto Gruppe, erläuterte die Einführungskampagne für die neue C-Klasse. Mercedes wird dabei zum ersten mal in diesem Umfang die neuen Medien berücksichtigen, neben dem Internet auch mobile Endgeräte.
  5. Von der Umschichtung der Werbeetats werden Magazine nicht betroffen sein, ihre Werbeeinnahmen werden sogar weiter wachsen. Dr. Hubert Burda bestätigte ausdrücklich, wie gut das Anzeigenaufkommen in seiner Gruppe ist.
  6. Inhalte für Internetseiten kommen nur zum geringsten Teil aus dem Printmedien: Forbes.com generiert nur 1% seines gigantischen Traffics mit Printinhalten und stellt jeden Tag über 3000 Artikel online, wie Jim Spanfeller, President & CEO, erkäuterte.
  7. Audio- und vor allem Videoinhalte haben eine stark wachsende Bedeutung. Die Computerwoche hat dazu ein eigenes Studie eingerichtet und erhöht mit den Webvideos deutlich den Traffic, wie Chefredakteur Christoph Witte erläuterte.
  8. Das dominierende Geschäftsmodell ist die Werbefinanzierung. Die Basiswährend dafür ist Traffic.
  9. Wer Premiuminhalte hat, versucht auch Profilgenerierung. Der japanische B2B-Verlag Nikkei Business Publications hat 2006 komplett auf Registrierungpflicht umgestellt und damit seinen Traffic sogar noch erhöht, wie Yuko Tanaka, Manager - International Relations, einem staunenden Publikum erläuterte.
  10. An bezahlte Inhalte (Paid Content) glauben nur die wenigsten Verlage: Dr. Andreas Wiele, President Magazines bei Springer, und Dr. Bernd Kundrun, Vorstandsvorsitzender von Gruner + Jahr, verneinten ausdrücklich die Frage, ob sie an Paid Content glauben.
  11. Größtes Hemmnis auf dem Weg zu miltimedialen Contentprovidern sind weniger die fehlende Geschäftsmodelle als interne Widerstände: in einem sehr humorvollen Vortrag erläuterte Ulrik Haagerup, Chefredakteur von NORDJYSKE Media, welchen Change Management-Prozess die Tageszeitung durchlaufen musste, um mit einem Newsroom-Konzept sich für die Zukunft fit zu machen. Diesem Befund stimmten alle Referenten zu! Dr. Wiele von Springer, aber auchChristoph Schuh, Vorstand Marketing & Sales der Tomorrow Focus AG, setzen deshalb auch auf Akquisitionen: Sie kaufen nicht nur Firmen, sondern damit bewusst auch Know-how und Personal hinzu. Springer wird 2007 mehr in Online- als in Printprojekte investieren (und beschäftigt mittlerweile 500 Mitarbeiter im online-Business).
  12. Las but not least: Online-Aktivitäten generieren in allen Verlagen zwar erst 5 - 30% der Umsätze, allerdings ist die Rentabilität wesentlich höher (eigentlich logisch, da Druck und Distribution entfallen). Und so lassen sich auch Online-Neuprojekte im Vergleich zu Print mit wesentlich kleineren Etats launchen und in kürzerer Zeit zum Break-even führen.
Die Printmagazine spielten auf dem Kongress keine Rolle mehr, obwohl es auch hier noch eine Menge zu verbessern gäbe - nicht nur in der Verknüpfung mit dem Internet.

Eine Zusammenfassung aller Beiträge findet sich auf dem Zeitschriftenblog.

Keine Kommentare: