Mittwoch, 27. Mai 2015

NoSQL-Datenbanken: Kein Hype, sondern eine Schlüsseltechnologie für Verlage

Vor allem Verlage mit großen Mengen an Inhalten (Dokumenten) beschäftigen sich mit einer Technologie, die unter dem Namen „NoSQL-Datenbank“ immer weitere Verbreitung findet. Diese Datenbanken sind vor allem dann stark, wenn sehr viele unterschiedlich strukturierte Dokumente verwaltet und publiziert werden sollen. Christian Kohl, Referent auf dem nächsten CrossMediaForum, hat beim Verlag Walter de Gruyter diese Technologie eingeführt und erläutert im folgenden Interview, welche Gründe dafür ausschlaggebend waren und wo die Vorteile liegen.

NoSQL ist das Zauberwort im Bereich Content Management. Worin liegt das Revolutionäre dieses Ansatzes?
Christian Kohl: Revolutionär ist sicher ein zu großes Wort. Je nach Anforderungen, Content-Typen und Mengen lässt sich auch mit SQL als Basis sehr gutes Content-Management betreiben. NoSQL, oder präziser dokumentenorientierte Datenbank ("document-oriented" oder "document store") als Unterklasse von NoSQL-DB sind dann wertvoll, wenn große Mengen von Dokumenten mit unterschiedlichen oder sogar sich verändernden Strukturen verarbeitet werden sollen. Das Neue an den dokumentenorientierten NoSQL Datenbanken (DB) ist, dass Dokumente nicht mehr 'geschreddert' werden müssen, damit sie in die Reihen/Zeilen Struktur einer relationalen DB passen, sondern i. d. R. das Dokument als solches in die DB eingespeist wird und diese dann entsprechende Operationen darauf ermöglicht. Hinzu kommt, dass diese DB häufig kein Schema erfordern, es also nicht im Voraus notwendig ist, alle aktuellen und möglichen künftigen Datenstrukturen zu definieren und zu modellieren, sondern die Dokumente 'as is' in die DB übernommen werden können. Damit ist ein schnellerer Start möglich, bspw. mit einem Rapid Prototyping Ansatz.
Welche Rolle spielt XML beim NoSQL-Absatz?
Christian Kohl: NoSQL hat erst einmal nichts mit XML zu tun. Da im Publishing Bereich der Content in den meisten Fällen in XML-Dokumenten vorliegt, wird NoSQL häufig synoym mit "document store" gebraucht. Es geht also um eine Unterklasse von NoSQL-DB, nämlich den dokumentorientierten, und hier noch einmal speziell den XML-Datenbanken. Eine SQL-Datenbank hat ein relationales Datenmodell als Grundlage, grob vereinfacht besteht alles aus Zeilen und Spalten, Werte stehen in Zellen. Eine dokumentorientierte NoSQL-XML-Datenbank hat als Datenmodell XML. Wenn der Anwendungsfall nun das Speichern und Verarbeiten von XML-Dokumenten ist, liegt die Schlussfolgerung nahe, dass eine Datenbank, welche diese Dokumente unverändert speichern und bearbeiten kann, dafür besser geeignet ist, als eine relationale Datenbank, die den Content erst in Zeilen und Spalten zerhacken und dann jeweils wieder zusammensetzen muss. Rein technologisch betrachtet ist eine dokumentorientierte NoSQL-XML-Datenbank der best fit für Anwendungsfälle, bei denen große Mengen XML-Dokumente im Fokus stehen. Was nicht bedeutet, dass es nicht trotzdem andere Gründe geben kann, die dagegen sprechen.
De Gruyter arbeitet seit einiger Zeit mit einer NoSQL-Lösung. Was sind die wesentlichen Veränderungen? Worin liegen die Vorteile?
Christian Kohl: Die Vorteile liegen für uns auf der Performance und auf der Kostenseite. Wir setzen eine NoSQL XML DB ein, die gleichzeitig auch noch eine Suchmaschine ist. Dadurch sparen wir einerseits Lizenzen und /oder Implementierungskosten für eine separate Suchmaschinenlösung, andererseits profitieren wir von der deutlich besseren Performance der XML-DB im Vergleich zu einer relationalen Lösung. Konkret bedeutet das für uns bessere Skalierbarkeit und niedrigere Hostingkosten.
Die größte Veränderung ist das konzeptionelle Umdenken, wenn man aus der relationalen Welt kommt. Kein DB Schema mehr, keine aufwendige Normalisierung, Xquery statt SQL als Abfragesprache. Glücklicherweise ist das für uns als Verlag relativ einfach gewesen, da wir ohnehin XML Know-how im Haus haben. Insofern stellen Xquery und xslt keine Hürden für uns dar. Das kann in anderen Firmen sicher schwieriger sein, wenn Mitarbeiter lange Jahre SQL Erfahrung haben und jetzt radikal umdenken müssten.
Wenn ich ein NoSQL-Konzept umsetzen will – was muss ich dabei besonders beachten?
Christian Kohl: Wie bei der letzten Frage schon erwähnt, sind die Menschen und ihre Fertigkeiten mit das Wichtigste: muss ich möglichweise Umschulungen durchführen, interne Widerstände überwinden? Haben meine Dienstleister das nötige Know-how, denn Xquery ist noch längst nicht so weit verbreitet wie SQL? Daneben gibt es aber auch technische Aspekte: Was sind meine Anforderungen an Konsistenz, Sicherheit, Wiederherstellung, Backup? Je nachdem, wie hier die Anforderungen aussehen, scheiden einige populäre NoSQL Lösung sofort aus. Schließlich noch der Aspekt der Nachhaltigkeit: Wie etabliert ist die Software, die ich einführen möchte, welchen Support gibt es, welche Dienstleister? Hier gibt es große Unterschiede je nach Software im Vergleich zu SQL. Für Oracle oder Microsoft DB findet sich bspw. jederzeit überall ein Dienstleister, der helfen kann. Bei einigen NoSQL-Lösungen wird es schon schwieriger unter Umständen.
Neben kommerziellen Lösungen gibt es auch Open Source-NoSQL-Datenbanken.  Welche Vor- und Nachteile sehen Sie für diese beiden Ansätze?
Christian Kohl: Es gelten grundsätzlich erst einmal dieselben Vor- und Nachteile wie bei nicht-DB Software auch. Bei den dokumentorientierten No-SQL Datenbanken kommt allerdings hinzu, dass es meines Wissens aktuell nur eine Datenbank gibt, welche die ACID-Kriterien erfüllt. Das wird gerne auch als "enterprise feature" bezeichnet. Wenn ich diese Dinge benötige, bspw. um jederzeit ein Rollback machen zu können, Konsistenz zu gewährleisten oder weniger verwundbar gegen Hardwareausfälle zu sein, dann gibt es momentan keine echte Alternative zu der kommerziellen Variante. Aber nicht alle Anwendungsszenarien benötigen diese Features, insofern haben auch OpenSource-Lösungen ihren Platz. 
Ist NoSQL immer die Antwort, oder machen SQL-Lösungen auch in Zukunft Sinn?
Christian Kohl: Natürlich gibt es auch weiterhin Anwendungsszenarien, in denen SQL-Lösungen Sinn machen. Es wird aber sicherlich eine Verschiebung geben, bei der NoSQL mehr und mehr Gewicht gewinnen wird. Gerade im Kontext von "Big Data" und Echtzeit-Anwendungen im Web gibt es sehr viele Fälle, in denen NoSQL technologisch betrachtet die bessere Lösung ist. Nicht umsonst haben Unternehmen wie Facebook oder Google, deren Existenzgrundlage große Datenmengen sind, eigene NoSQL-Datenbanken entwickelt und im Einsatz. 
Ihr Vortragsthema auf dem CrossMediaForum lautet: Crossmedia-Publishing mit NoSQL-Techniken: Möglichkeiten, Einsatzszenarien, Bewertung. Was wird die Kernbotschaft sein?
Christian Kohl: Die Kernbotschaft wird im Wesentlichen eine Synthese aus dem oben gesagten: NoSQL bietet für dokumentlastige Anwendungen, wie sie bei uns Verlagen nun mal im Vordergrund stehen, große Potenziale hinsichtlich Performance, Kosten, time to market und Flexibilität. Dass die meisten großen Verlage inzwischen eine solche Technologie einsetzen, spricht für sich. Dass kleinere Verlage es häufig noch nicht tun, ebenfalls. Wie bei jeder neuen Technologie gibt es Einstiegshürden und Unsicherheit, ob es wirklich nützlich oder nur der nächste Hype ist, von dem in zwei Jahren niemand mehr spricht. Ich glaube nicht, dass es ein Hype ist, sondern für unseren Sektor gute Chancen hat, zu einer Schlüsseltechnologie zu werden.

Donnerstag, 10. April 2014

CrossMediaFoum 2014: Alles im Fluss: Crossmedia-Workflows für effektive Publikationsprozesse

Das 16. CrossMediaForum geht am 10. Juli 2014 in München der Frage nach, wie Inhalte am intelligentesten und effektivsten vom Erzeuger auf die vielen Endgeräte der Nutzer kommen. Unter dem Motto "Alles im Fluss: Crossmedia-Workflows für effektive Publikationsprozesse" werden anhand von Fallbeispielen innovative Lösungskonzepte präsentiert.

Neu: Kostenlose Erstberatung zu den Themen CMS und Workflow-Optimierung

Zum ersten Mal bieten wir exklusiv für die Teilnehmer des CrossMediaForums eine kostenlose Erstberatung zu den Themen Content Management und Workflow-Optimierung an. Wenn Sie über die Verbesserung Ihrer Content-Infrastruktur nachdenken und von Experten eine kompakte Einschätzung erhalten möchten, dann bieten wir Ihnen dazu am Vortag (09.07.2014) die Gelegenheit: Treffen Sie uns im Hotel Maritim zu einem vertraulichen Gespräch. Weitere Informationen zu diesem exklusiven Angebot finden Sie auf unserem Infoblatt.

Programm

  • Kooperation und Kollaboration: Workflows und Prozesse als Führungsaufgabe Thorsten Schlaak, assoziierter Partner, Heinold, Spiller & Partner Unternehmensberatung
  • Erfolgreiches Multi-Channel-Publishing mit intelligentem Produktdatenmanagement – Best Practice PONS Ralph Kissner, Geschäftsführer, Six Offene Systeme
  • Wenig Work, viel Flow: Automatische EP-Produktion mit Xaver anhand von aktuellen Fallbeispielen Carsten Oberscheid, Geschäftsführer, doctronic
  • Effizienz (Redaktion) und Qualität (Produkte): Die Quadratur des Kreises durch workflowoptimiertes crossmediales Publizieren anhand von Fallbeispielen Daniel Brün, Geschäftsführer, Saltation
  • Der intelligente Content Pool: Die Revolution für neue Produkt- und Vermarktungsformen in Verlagen am Beispiel der FAZ Alexander Siebert, Geschäftsführer, Retresco
  • Konsequent effizient durch Integration und Optimierung: XML-basiertes Publizieren beim Schattauer Verlag Jan Haaf, Geschäftsführer, Schattauer Verlag
  • Durchgängiger XML-Workflow mit externen Autoren – aufgezeigt an Praxisbeispielen Mario Kandler, Geschäftsführer, nbsp
  • Verkaufsfördernde Empfehlungen in Online-Kanälen mit semantischen Meta-Daten Prof. Dr. Heiko Beier, Geschäftsführer, Moresophy
  • 20 minutes to get in flow: Prozessaufnahme mit in|FLOW am Beispiel der Verlage Fischer und Rowohlt Dr. Carsten Ritterskamp, Sebastian Wiemer, Senior Consultants, Adesso
  • COMPUTERWOCHE: Waschzettel des IDG Verlags für intuitives XML-Crowd-Publishing Stefan Huegel , Director Digital Media, IDG Business Media, Matthias Kraus, Geschäftsführer, appsoft Technologies
  • Viele Wege, eine Redaktion: Content First, Print First, Digital First Thomas Kind, Senior Consultant, InterRed GmbH, Marco Parrillo, Projektleitung digitales Publizieren, Neue Mediengesellschaft Ulm mbH

Termin, Ort, Konditionen

Das CrossMediaForum findet am 10. Juli 2014 in München im Hotel Maritim statt. Die Teilnahmegebühr beträgt 100 EUR mit dem Frühbucherrabatt (bis zum 30. Mai 2014), danach 150 EUR (jeweils zzgl. Mehrwertsteuer). Sie können sich hier sofort per E-Mail anmelden oder das Anmeldefax downloadn und sich so den Frühbucherrabatt sichern!

Montag, 7. April 2014

Crossmediale Kundenbindung 2.0: Publishers' CRM Conference und Seminar am 26. und 27.06.2014

Zusammen mit dem Siegfried Vögele Institut (SVI) veranstalten wir am 26. und 27. Juni 2014 in Königstein (Taunus) die 6. Publishers' CRM-Conference und das 4. Publishers' CRM-Seminar. Kernfrage dieses Mal: Wohin mit all den Kundendaten? Die Antwort: Lenken Sie sie in die richtigen Bahnen, am besten mittels Marketing Automation und wirkungsvoller Crossmedia-Strategien. Nach der Devise "Viel Hilft nicht immer viel!" geben Ihnen CRM- und Verlagsprofis wertvolle Tipps zur intelligenten Analyse und Nutzung wachsender Datenmengen. Profitieren Sie von aktuellen Studien und Fallbeispielen.

Das Programm der Publishers' CRM Conference

  • Nachhaltige CRM-Strategien: Nutzen Sie Ihre Kundenbindungs-Treiber! Claudia Knoblauch, Ass. Director MediaResearch, TNS Infratest, und Silvia Mühlbach, Senior Consultant Verlage, SVI
  • Zielgruppenorientiertes Kampagnen-Management bei der wissenschaftlichen Buchgesellschaft Dr. Holger Wochnowski, Geschäftsleitung Marketing, WBG
  • Testen - Messen - Testen: Kundenbeziehungen auf die Erfolgsspur setzen Prof. Dr. Peter Lorscheid, Leiter CRM & Dialog-Controlling, SVI
  • Messe-Besucher und Aussteller akquirieren: über alle Kanäle hinweg Jan Wilhelm, Gruppenleiter Database-Marketing und Direktmarketing, Köln Messe
  • Print-Mailing und E-Mailing automatisiert steuern Benjamin Walther, optivo
  • 1 plus 1 macht 3: Erfolgscases zu Print-Mailing plus E-Mailing Dr. Alexander Plum, Senior Expert Online Marketing Solutions Development, Deutsche Post AG

 

Publishers' CRM Seminar:Ganzheitliches CRM – Drei Herausforderungen aus der Praxis

Anhand von drei zentralen Fragestellungen im Verlagswesen wird demonstriert, wie erfolgreiches CRM abteilungsübergreifend angewendet werden sollte. Das Seminar gliedert sich auf in zwei Teile: 

Teil I: 3 Impuls-Vorträge
  • CRM-Strategie: was am Ende zum Erfolg führt
  • Flexible Abo-Modelle: Herausforderung im CRM
  • Kundenmanagement: Kundenbindung erhöhen
Teil II: 3 parallel stattfindende Workshops
  • Workshop 1: CRM-Strategie "Markteinführung" Anhand eines Fallbeispiels aus der Verlagspraxis wird 1) eine Marketing- und Vertriebs-Strategie für eine Titel-Einführung entwickelt und 2) deren CRM-basierte Umsetzung geplant.
  • Workshop 2: Flexible Abo-Modelle Anhand eines ausgewählten Abo-Modells legen die Teilnehmer die Implementierungs-Schritte fest. Welche Herausforderungen muss das CRM für eine reibungslose Einführung bewältigen?
  • Workshop 3: Kundenmanagement Welche Kennziffern, Informationen und Analysen helfen, den optimalen Kundenbindungs-Ansatz zu finden? Anhand eines Fallbeispiels werden Treiber und Hemmnisse identifiziert.
Referenten:
  • Prof. Dr. Peter Lorscheid, Siegfried Vögele Institut
  • Ulrich Spiller, Heinold, Spiller & Partner
  • Silvia Mühlbach, Siegfried Vögele Institut
Das Seminar können Sie zur Conference dazubuchen. Weitere Informationen und Anmeldung auf der SVI-Website.

Donnerstag, 20. März 2014

Fachbuchinhalte durch Digitalisierung effektiver zugänglich machen – Interview mit Guido F. Herrmann

Bei der Digitalisierung von Fachbuchcontent befinden sich Verlage und ihre Kunden auf einer gemeinsamen Reise. Damit sie auf dieser Reise nicht verloren gehen, benötigen Verlage Kompetenzen, um die Möglichkeiten des digitalen Mediums sinnvoll zu nutzen, sagt Dr. Guido F. Herrmann, Verlagsleitung Chemie beim Georg Thieme Verlag und Key Note-Speaker auf der 1. Exklusiv-Tagung Fachbuch, die am 27. März 2014 in München stattfindet.

Giodo F. Herrmann
Welche Strategie verfolgt Thieme beim digitalen Fachbuch?
Dr. Guido F. Herrmann: Thieme verfolgt eine Strategie, die vorhandenen Fachbuchinhalte in verschiedenen Formaten (gedrucktes Buch, PDF, ePub, Online) zu verwerten und zu vermarkten. Dabei binden wir aktiv unsere nationalen und internationalen Handels-und Vertriebspartner ein. Für einige Inhalte (z.B. Lexika) ist die Digitalisierung nun vollständig vollzogen. Bei anderen Formaten (z.B. Lehrbüchern) wird die gedruckte Ausgabe ergänzt um verschiedene digitale Formate.

Wie weit ist der Weg von einem Fachbuch zu einer interaktiven App?
Dr. Guido F. Herrmann: Ich denke, dass die Grundlage für alle Verwertungsformen eine entwickelte digitale Produktionsstrecke auf der Basis XML ist. Diese beginnt beim Autor und ermöglicht die Verbreitung der Inhalte in unterschiedlichen Verwertungsformen. Allerdings geschieht dies dann nicht „auf Knopfdruck“, schafft aber die notwendigen Voraussetzungen.

Wo stehen die Kunden? Nutzen sie die verschiedenen Medienkanäle parallel, gibt es Substitutionseffekte oder können ganz neue Kundengruppen erschlossen werden? Und sind sie bereit, für digitale Inhalte angemessene Preise zu zahlen?
Dr. Guido F. Herrmann: Bei den Kunden muss man m.E. unterscheiden in institutionelle Kunden und individuelle Käufer. Das institutionelle Geschäft mit Hochschulen und Industrie ist sehr weit entwickelt. Thieme beliefert diese Kunden seit 10 Jahren sehr erfolgreich mit digitalen Inhalten. Die Fachzeitschriften waren der Vorreiter, gefolgt von Referenzwerken, den Lexika , den Lehrbüchern und den Monographien.
Bei den Endkunden stehen die digitalen Formate noch nicht so im Zentrum des Kaufverhaltens. Wir sprechen unsere Kunden mit unterschiedlichen Angeboten an: vom Kauf eines gedruckten Buchs in unserem Webshop bis zu einem Flatrate Angebot für den unbegrenzten Online-Zugriff auf Lehrbuchinhalte reicht das Spektrum.

Ihr Vortrag auf der 1. Exklusiv-Tagung Fachbuch lautet „E-Book, Web-Lösung oder interaktive App? Digitalstrategien für Fachbücher.“ Was wird die Kernbotschaft sein?
Dr. Guido F. Herrmann: Die Kernbotschaft lautet, dass sich Anbieter und Nutzer gemeinsam auf einer spannenden Reise befinden. Das Ziel muss sein, das Wissen in den Fachbüchern effektiver den Nutzern zugänglich zu machen. Dabei benötigen die Fachverlage die Kompetenz, die Möglichkeiten des digitalen Mediums sinnvoll zu entwickeln und die Inhalte darauf einzustellen.

Freitag, 7. März 2014

"Mobilität, Interaktivität, Konnektivität, Multimedialität, Competition? Fehlanzeige" - Katja Splichal über die Defizite digitaler Fachinformationsangebote

"Die E-Book-Konjunktur geht am Fachbuch vorüber", stellt Katja Splichal, Leitung Lernmanagement Systeme beim Ulmer Verlag, im folgenden Intterview fest. Ihre Ursachenanalyse: fehlende Offenheit für neue Geschäftsfelder und Erlösmodelle sowie zu wenig Infragestellung gegenwärtiger Produkte und ihrer Entstehung. Diese provokanten Thesen erläutert Katja Splichal auch auf der 1. Exklusiv-Tagung Fachbuch, die am 27. März 2014 von der Buchakademie in München durchgeführt wird.

Katja Splichal
Die E-Book-Konjunktur scheint am Fachbuch bisher ziemlich spurlos vorübergegangen zu sein. Täuscht der Eindruck?
Katja Splichal: Ich glaube, das ist nicht nur ein Eindruck. Die E-Book-Konjunktur geht am Fachbuch tatsächlich vorüber – das hält aber längst nicht alle davon ab, digital Umsätze zu machen. Gerade im Fachbuch mussten, gewissermaßen erzwungen von institutionalisierten Märkten und nicht-linearen didaktischen Konzepten, schon vor zehn, 15 Jahren alternative Geschäftsmodelle entwickelt werden. Dennoch weichen bei vielen Verlagen die erwirtschafteten Umsätze von den Erwartungen ab – in die unliebsame Richtung. Das E-Book zum Fachbuch macht in vielen Fällen zudem keinen großen Sinn, weil eine Konvertierung in Richtung HTML, also optimiert für mobile Endgeräte, oft schwer bis unmöglich ist. Da fällt viel Umsatzpotenzial weg oder müsste sehr risikoreich erschlossen werden.

Was sind die Ursachen für diesen langsamen Veränderungsprozess: Ist der Transfer z. B. eines Lehrbuchs in ein E-Book zu komplex? Oder liegt es an den Kunden, die nur für gedruckte Inhalte zahlen?
Katja Splichal: Das Fachbuch ist vielfältig – ich würde daher eher von Fachinformation reden, inmitten derer wiederum zum Beispiel das Schulbuch eine sehr gesonderte Position einnimmt. Hier spielt das Vorhandensein entsprechender Endgeräte eine tragende Rolle, ebenso wie die berechtigten Ressentiments seitens der Eltern. Wo kein Markt, da kein E-Book und umgekehrt. Beim Blick auf bestehende Fachinformationsangebote, naturgemäß mit dem kritischen Blick der verwöhnten Digital Natives, stellt sich mir die Lage gänzlich anders dar: kompliziert, unübersichtlich, preisintensiv und (Entschuldigung) oft leider auch uninspiriert bis leidenschaftslos. Für die heute 30-Jährigen reicht das manchmal nicht. Mobilität, Interaktivität, Konnektivität, Multimedialität, Competition? Oft Fehlanzeige. Von „Style“ und „responsive Design“ fangen wir besser gar nicht erst an. Komplexer als das Büchermachen ist das auch nicht – es ist nur etwas völlig Neues, und das erfordert Veränderung.

E-Learning galt viele Jahre als ein attraktives Feld für Verlage. Fakt ist: Es gibt einige Erfolgsbeispiele, aber die meisten Fachbuchverlage sind noch immer Fachbuchverlage und keine contentorientierten Lösungsanbieter. Woran liegt das?
Katja Splichal: Ich vermute, dass der Innovationsgeist noch in seiner Flasche sitzt. Da hat er ja auch seit der Erfindung beweglicher Lettern friedlich geschlummert. Ich höre immer wieder das Argument: „Wir müssen uns auf die Sachen konzentrieren, mit denen wir das Geld verdienen – und das ist Print“. Finde ich persönlich auch toll, vor allem, wenn es gelingt, Umsatzrückgänge durch straffere Workflows und optimierten Longtail zu puffern. Aber auch damit ist irgendwann Schluss, und dann sollte man mit neuen Geschäftsmodellen bereit stehen und möglichst nicht erst mit der Umsetzung beginnen, wenn die Polster aus guten Jahren aufgebraucht sind. Ich halte es zudem für schwierig, bei dünner werdenden Personaldecken noch Raum (in den Köpfen) und Zeit (im Terminplaner) zu schaffen für wirkliche Innovation. Vielleicht bezahlen einige auch unseren jungen, kreativen, dynamischen, technikaffinen und weborientierten Nachwuchs zu schlecht, wer weiß.

Was muss sich in einem Verlag ändern, wenn er sich von der Buchmetapher löst und ganz neue Wege in der Produktkonzeption beschreitet? 
Katja Splichal: Erstens Einsicht in die Notwendigkeit. Zweitens Gefallen an den sich daraus ergebenden Herausforderungen, drittens Schulung, Weiterbildung, Zukauf von Know-how = Personalaufbau, viertens Mittelfreistellung oder -beschaffung und fünftens die deutlich und unmissverständlich ausgesprochene und gemeinte Erlaubnis an sich selbst und die Mitarbeiter, endlich Fehler zu machen. Der einzige Fehler ist, keine zu machen.

Ihr Vortrag auf der 1. Exklusiv-Tagung Fachbuch lautet „Crowdsourcing, Data-Mining und digital to print – Vom Lehrbuch zum E-Learning und zurück“. Was wird die Kernbotschaft sein?
Katja Splichal: Ich gehe davon aus, dass die Kernbotschaft eines solchen Vortrags für alle Zuhörenden jeweils eine unterschiedliche ist. Was ich vor allem anregen möchte, sind eine grundlegende Offenheit für neue Geschäftsfelder und Erlösmodelle sowie die Infragestellung gegenwärtiger Produkte und ihrer Entstehung. Ohne Inhalte ist alles nichts, völlig klar, beim Ulmer Verlag stellen wir aber gerade in Frage, welche Aufgaben uns als Verlag bei ihrer Erstellung, Aufbereitung und Verbreitung im Fachbuch zukommen – und die Antwort darauf würde ich in München gern geben.

Das Interview ist im HSP-Newsletter März 2014 erschienen.

Mittwoch, 26. Februar 2014

Neue Konferenz: Die 1. Exklusiv-Tagung Fachbuch zeigt die Zukunftschancen für Fach- und Lehrbücher auf

Egal ob in den Bereichen Medizin, Kunststofftechnik, Chemie oder RWS – Fachbücher als große Sinneinheiten bieten Autoren und Lesern die Möglichkeit, Themen umfassend zu betrachten. Seit Jahrzehnten bilden sie eine gut kalkulierbare Größe in vielen Verlagen: Für die Zielgruppen stellen Fachbücher vertrauenswürdige und zuverlässige – in Beruf, Lehre und Studium oftmals unverzichtbare – Informationsquellen dar und haben sich zum Teil als Standardwerke für ganze Berufsgruppen etabliert. Im Gegenzug werden auf Seiten der Käufer deutlich höhere Preise als im Publikumssegment akzeptiert.

Doch die Konkurrenz der kostenlosen Wissensangebote im Internet wird immer größer. In Zeiten von offenen Plattformen wie Wikipedia oder Connexions und spezialisierten Fachforen wie mediengestalter.info können sich Verlage längst nicht mehr auf ihrem Expertenstatus ausruhen. Und auch kostenpflichtige Fachinformationsangebote wie zum Beispiel juristische Suchmaschinen – oftmals von verlagsfremden Anbietern entwickelt – bringen Verlage unter Druck.

Was sind die richtigen Strategien, um in diesem Marktumfeld bestehen zu können und die Position als zuverlässiger Lieferant von dauerhaft gültigen, aber auch kurzfristig relevant werdenden Fachinhalten weiter auszubauen? Ist es die Aufwertung von Print, etwa durch exklusive Inhalte und eine Premium-Ausstattung? Ist es die digitale Verwertung der (Print-)Inhalte als E-Books oder Apps, die dem Leser zum Beispiel mit Infografiken und Multimediainhalten einen zusätzlichen Mehrwert bieten? Oder liegt die Zukunft im Auf- und Ausbau vernetzter Online-Plattformen, die für den Nutzer alles in einem sind: digitale Fachbibliothek, Themen-Scout und Wissensmanager?

Auf der 1. Exklusiv-Tagung Fachbuch der Akademie des Deutschen Buchhandels, die am 26. MÄrz 2014 in München stattfindet, zeigen Branchenexperten, mit welchen Strategien ihre Verlage auf die aktuellen Herausforderungen im Bereich Fachbuch reagieren und wie sie den (digitalen) Transformationsprozess in ihren Häusern managen. Neben dem Input aus der Praxis steht der unmittelbare Austausch zwischen Teilnehmern und Referenten im Vordergrund, zum Beispiel im Rahmen interaktiver Roundtable-Sessions.

Programm

Fachbuch, E-Book, Online-Portal –
Zukunftsstrategin und Nutzungstrends für Fachbücher
Das Prinzip Fachbuch oder Fachbuch aus Prinzip?
Ehrhardt F. Heinold, Geschäftsführer, Heinold, Spiller & Partner
E-Book, Web-Lösung oder interaktive App?
Digitalstrategien für Fachbücher

Dr. Guido F. Herrmann, Verlagsleitung Chemie, Georg Thieme Verlag

Neue Produktstrategien und Geschäftsmodelle für Fach-Content
Vom Fachbuch zur integrierten Kundenlösung –
Die Fachdatenbank Plastics Online Dr. Hermann Riedel, Verlagsleiter, Carl Hanser Verlag
Fachbuch goes eBibliothek
Springer für Professionals als digitaler Wissensmanager
Beatrice Gerner, Director eSolutions, Springer DE
Crowdsourcing, Data-Mining und digital to print
Vom Lehrbuch zum E-Learning und zurück

Katja Splichal, Leitung Lernmanagement Systeme, Eugen Ulmer Verlag
Innovation, Überraschung, Originalität
Der USP des inspirationsorientierten Fachbuchs

Gregory Zäch, Geschäftsführer, midas publishing group

Interaktive Roundtables
  • Big Data, was nun? Wie man Kundendaten für bessere Produkte einsetzt
  • CMS, Ausgabeplattform, PPM – Effiziente Systeme vom Autor bis zum Leser
  • Open Access, eTextbooks und MOOCs – Die Diskussion um Fachmedien  in Großbritannien
Neue Vermarktungs- und Vertriebsstrategien für Fach-Content
Crossmediale Fachvermarktung
Die Neuerfindung des Lexikons der Psychologie

Daniel Ebneter, Chief Digital Officer, Hogrefe Verlagsgruppe
Internationaler Vertrieb von digitalen Fach-und Lehrbüchern
Herausforderungen und Business Modelle
Annika Bennett, Vertriebsleitung E-Book, Taylor & Francis

Zielgruppe

Die Exklusiv-Tagung richtet sich an Fach- und Führungskräfte in Verlagen, die sich intensiv mit Strategien und Konzepten für Fachbücher auseinandersetzen wollen. Experten aus der Branche präsentieren ihre Cases aus der Praxis und diskutieren mögliche Zukunftsszenarien und digitale Alternativen.

Weitere Informationen und Anmeldung über die Website der Buchakademie.

Mittwoch, 12. Februar 2014

Das blinde Huhn - oder: Warum für die Digitalisierung Verlage ihre Kunden kennen sollten

Immer noch kennen sehr viele Verlage ihre Kunden nicht (oder nicht gut genug). Beim Umstieg auf digitale Medien ist das tödlich, urteilt Dr. Matthias Kraft im folgenden Interview (und auf der 3. Exklusiv-Tagung Loseblattwerke). Matthias Kraft weiß, wovon er spricht: Er kennt die Fachverlagsbranche aus jahrelanger Tätigkeit als Verlagsmanager und als Dienstleister. Krafts provokante These: Viele Fachverlagsmedien zeigen durch die Digitalisierung, wie wenig (Mehr)Wert in ihnen steckt. Um das zu ändern, müssen Verlage wirkliche Mehrwerte für ihre Kunden schaffen.

Dr. Matthias Kraft
Wenn man das Loseblattwerk als einen sich ständig aktualisierenden Wissensraum begreift – warum ist dann der Weg vom Papier in die digitale Welt für viele Verlage so schwer?
Matthias Kraft: Es gibt eine ganze Palette von Gründen, warum Verlage und ihre Autoren auf Loseblattwerke setzen. Die Aktualität der Information ist (nur) einer davon. Eine weiterer ist auch das genaue Gegenteil: Autoren, die wenige Zeit haben schätzen die Möglichkeit, zumindest in Teilbereichen ihr Werk gelegentlich auf aktuellen Stand bringen zu können; Der Rest des Werkes veraltet. Und natürlich ist Loseblatt gerade wegen des kontinuierlichen Umsatzes und der hohen Kundenbindung beliebt. Der Inhalt kommt dann gelegentlich zu kurz.
Dort, wo die Aktualität einen wesentlichen Verkaufsfaktor ausmacht, wird genau der von Ihnen angedeutete Aspekt auch funktionieren und tut es teilweise schon jetzt. In vielen anderen Fällen besteht eine Grundangst der Anbieter, dass jede Veränderung einen Kundenschwund katalysiert.

Wo stehen nach Ihrer Einschätzung die Kunden? Warum sortieren immer noch so viele Ergänzungslieferungen ein, statt die Digitalausgabe zu nutzen?
Kraft: Die Gründe sind je nach Fachbereich vielfältig. Einer ist sicher die Grundskepsis bestimmter Berufs- und Altersgruppen gegenüber den neuen Medien. Einige Prüfungsordnungen helfen da noch kräftig mit. Ein weiterer Grund sind die häufig in der digitalen Welt verwendeten Mietmodelle. Die Kosten sind etwa dieselben, am Vertragsende bleibt aber nichts mehr übrig.
Ein durchaus realer Faktor ist auch, dass die ganze Abwicklung unter dem Radar der Entscheidungsträger läuft und sich kostenseitig unter der Schmerzensgrenze bewegt. Es gibt zudem eine gewisse Sicherheit, dass im Regal ein Werk steht, das – sollte man es irgendwann einmal benötigen – auf aktuellem Stand ist. In einigen Fällen geschieht die Pflege sogar zur Vermeidung von Haftungsfällen. Ob die Werke wirklich benutzt werden, ist manchmal fraglich. Ich sage mal provokant: Würden die LBWs regelmäßig von Entscheidungsträgern oder in deren Umgebung benötigt werden, würden diese vielleicht auch auf digitale Formen umsteigen.

Ist das auch der Grund, warum noch so viele Verlage von Print leben? Ein paar App-Verkäufe sind ja ganz nett – aber die Rendite kommt aus bedrucktem Papier. Haben die Digitalausgaben kein funktionierendes Geschäftsmodell?
Kraft: Ich teile in der Tat die Furcht einiger Verleger, dass die bestehenden Kunden eine gewisse Treue zu einem Werk in genau dieser Darreichungsform haben. Dazu gehört auch das Gefühl der Sicherheit, das ein paar beeindruckende Ordner im Regal ihrem Besitzer geben. Ein digitales Medium schafft das in konservativen Nutzerkreisen jedenfalls noch nicht. In diesen Kreisen tut man sich dann eben auch schwer, für die digitale Information dasselbe Geld zu bezahlen.
Das eigentliche Problem für die Umsätze mag aber sein, dass die Werke in der Digitalen Welt die Erwartungen der Benutzer nicht mehr erfüllen. Die Originalität des Werkes liegt oft nur genau im Medium selbst. Teilweise wird ganz offensichtlich, dass die gedruckten Werke mit Information gefüllt sind, die im digitalen Wettbewerb nahezu trivial sind. Der digitale Nutzer erwartet für sein Geld selbstverständlich mehr, als er im Web aus durchaus seriösen Quellen kostenlos beziehen kann. Ich denke mal nur an all die LBWs, die ihre Nachlieferungen zum Großteil nur mit gemeinfreier Information füllen.

Können wir die aktuelle Situation einfach als Übergangsphase begreifen, in der verschiedene Kundengruppen verschiedene Herangehensweisen notwendig erfordern?
Kraft: Es kann nicht nur darum gehen, dieselbe Information in einem neuen Medium anzubieten. Verlage und Autoren müssen sich in der digitalen Welt neu erfinden. Diese Feststellung ist natürlich nicht neu. Gefruchtet hat sie bisher aber nur zum Teil. Natürlich benötigen wir in Zukunft weiterhin Informationen und Meinungen von Experten. Diese sollten auch möglichst aktuell sein. Und da ein hoch dekorierter Fachmann für seinen Input auch eine Gegenleistung haben möchte und der redaktionelle Aufwand beträchtlich ist, wird das alles nicht kostenlos zu haben sein. Ganz im Gegenteil: Durch den Wegfall einiger „Low hanging Fruits“ wird der „Stückpreis“ der wirklich exklusiven Information womöglich sogar ansteigen. So gesehen sind wir in einer Übergangsphase. Aber einfach nur warten bringt sicher keine Lösung.
Positiv gefragt: Wo liegen die Chancen in einer „Mobilisierung“ der LBW-Welt?
Kraft: Die Mobilisierung im engeren Sinne bringt nur dort Chancen, wo die Information mobil benötigt wird. Das herauszubekommen ist Aufgabe der Informationsanbieter. Die Verlage und Autoren werden sich hier ihren Kunden etwas mehr nähern müssen. Die Chance sogenannter mobiler Endgeräte liegt aber auch einfach nur darin, dass ihre Haptik einige Vorteile gegenüber den bisherigen digitalen Endgeräten und dem analogen Print bietet. Die Geräte sind im Büro und selbst zuhause angenehmer zu benutzen als etwa Notebooks und sicher leichter als die meisten LBW-Ordner. Die Lesbarkeit ist teilweise besser als beim Papier. Beim Nachsortieren, Blättern und Suchen punktet eine gute App ebenfalls deutlich gegenüber dem störrischen Ordner. Tabletts sind robuster als Notebooks und meist einfacher zu nutzen. Sie bieten in vielen Situationen nicht die Kommunikationsbarrieren, die ein „echter“ Computer darstellt. Rational betrachtet ist das Tablet dem Computer und dem LBW-Ordner also überlegen, fehlt also nur noch ein plausibles Geschäftsmodell.
Ihr Vortrag auf der 3. Exklusiv-Tagung Loseblattwerke heißt: "Auf der Suche nach dem Kundennutzen - Loseblatt wird mobil. Content, Apps und Geschäftsmodelle." Was wird Ihre Kernbotschaft sein?
Kraft: Ich denke, dass immer noch sehr viele Verlage ihre Kunden nicht wirklich kennen. Ich frage gelegentlich einen Lektor, wie denn die Kunden seine Werke nutzen. Bei welcher Gelegenheit, in welchem Umfeld, wie oft etc. nehmen sie ein Buch zur Hand und wie gehen sie dann vor. Nicht selten ernte ich Ratlosigkeit. Beim Umstieg auf digitale Medien ist das tödlich. Wenn ein Verlag nicht weiß, wie seine Information genutzt wird – und zwar recht präzise – ist er das sprichwörtliche blinde Huhn. Letztlich orientiert sich alles an diesem Wissen: Welche Produkte muss ich machen, mit welchen Funktionen versehen und in welcher Umgebung mit welchen Geschäftsmodellen anbieten. Weiß ein Verlag da nicht, kann er viel Geld verbrennen um gelegentlich mal ein Korn zu finden.
Über den Interviewpartner:
Dr. Matthias Kraft ist Geschäftsführer der Efficient Publishing UG und Referent auf der 3. Exklusiv-Tagung Loseblattwerke am 24.02.2014 in München.