Dienstag, 14. Mai 2013

Smart Content: Das 15. CrossMediaForum zeigt die Mehrwerte semantischer Anreicherungen

Wie oft haben Sie sich in diesem Jahr schon mit dem Trendthema "Semantik" beschäftigt - auf Fachkonferenzen, auf internen Meetings oder auch schon in Projekten? Eins steht fest: Semantische Anreicherungen machen Inhalte für Verlage noch wertvoller und schaffen die Voraussetzung für neue Geschäftsmodelle.  

Das 15. CrossMediaForum beschäftigt sich deshalb mit dem Thema: "Smart Content: Inhalte intelligent aufbereiten, zusammenstellen und flexibel publizieren". Führende Anbieter von Semantik-Technologien, XML-Dienstleistungen, Redaktionssystemen und Crossmedia-Lösungen zeigen zusammen mit Kunden oder anhand von Fallbeispielen, wie Verlage die Herausforderung von Smart Content annehmen und umsetzen. Smart Content bedeutet: Inhalte werden durch semantische Technologien intelligent, können angereichert und dann in ganz neuer Weise verknüpft werden. Smart Content ermöglicht Verlagen ganz neue Formen der Mehrfachnutzung ihrer wertvollen Inhalte.
Lassen Sie sich diese inspirierende Leistungsschau nicht entgehen, sparen Sie 33% und melden Sie sich bis zum 07. Juni 2013 zum Frühbucherrabatt an! 

Das Programm
  • Digitale Medien für den Kunden 2.0 – Strategien der Verlagsgruppe HandelsblattYorn Ziesche, Leitung IT-Koordination der Verlagsgruppe Handelsblatt
  • Semantische Anreicherung als Grundlage neuer Geschäftsmodelle
    Christian Dirschl, Content Architect bei Wolters Kluwer Deutschland GmbH, Andreas Blumauer, Geschäftsführer Semantic Web Company GmbH
  • Smart Educational Content: Umsetzung intelligenter Zielgruppenportale am Beispiel meinUnterricht.deStefan Appelhans, Geschäftsführer K.lab educmedia GmbH (Tochter der Klett Lernen und Informationen), Prof. Heiko Baier, Geschäftsführer moresophy GmbH
  • Inhalte flexibel verkaufen und Kunden binden am Beispiel der VDE-Normenbibliothek
    Sebastian Behrens, Projektleitung Verlagsbereich Normen, VDE Verlag GmbH, Holger Flörke, doctronic GmbH & Co. KG
  • Return on Information: Integriertes multichannel Publishing im InformationszeitalterMag. Wilko Goriany, Verlagsgruppe NEWS GmbH, Stefan Ruthner, Key Account Manager, censhare AG
  • "Dieser Weg wird (k)ein leichter sein: vom Classic-Print zum Multichannel"Ulrike Swientek, Teamleitung Contentmanagement, Erich Schmidt Verlag, Stefan Gaßmann, Geschäftsführer, mediaTEXT GmbH
  • VetCenter – Fachwissen im Kontext der tierärztlichen Behandlung,  oder: Was hat Ihr Dalmatiner von Semantik?Andrea Altmeier, Projektleitung E-Medien, MVS Medizinverlage, Stefan Geißler, TEMIS Deutschland GmbH
  • Semantisches Content Marketing: Neue Freiheiten in der Distribution von digitalen Inhalten
    Johannes Sommer, Geschäftsführer, Retresco GmbH
  • Create Your Own Document – Printinhalte erfolgreich zweitverwertenDr. Marcus von Harlessem, Leiter Consulting, InterRed GmbH
  • Cloud Computing für redaktionelle Prozesse und Publishing nutzen
    Norbert Klinnert, Noxum GmbH, Mitglied der Geschäftsführung
  • Wie Verlage semantische Anreicherungen einsetzen - Ergebnisse einer StudieMichael Dreusicke, PAUX Technologies GmbH, Johannes Bertelmann, QuestBack GmbH
Datum, Ort, Konditionen
Das 15. CrossMediaForum findet am 10. Juli 2013 im Maritim Hotel in München statt (direkt am Hauptbahnhof). Die Teilnahmegebühr bei Buchung bis zum 07. Juni 2013 beträgt 100 EUR mit Frühbucherrabatt, danach 150 EUR (jeweils zzgl. 19% Mehrwertsteuer) und beinhaltet die Tagungsunterlagen in digitaler Form, die Pausengetränke und das Mittagessen. Das Info- und Anmeldeblatt können Sie direkt hier downloaden - oder Sie können sich gleich mit einer direkten Antwort auf diese Mail anmelden. Weitere Informationen finden Sie auf der Website www.crossmediaforum.de.

Donnerstag, 11. April 2013

Unsere neue Studie zum Thema Medien-Relaunches: Der kompakte Leitfaden zur Medienkonzeption

„Medien-Relaunches erfolgreich managen“: In dem Fachpresse-Whitepaper zeigt Ulrich Spiller mit weiteren Autoren, wie Verlage eine crossmediale Strategie entwickeln und umsetzen können.

Das aktuelle Chefredakteurs-Drama beim „Spiegel“ belegt einmal mehr, welche Brisanz die Frage nach einer crossmedialen Strategie für Verlage hat: Integration von Print und Online – ja oder nein, Paid Content oder lieber nicht? Diese Themen, die den Zündstoff für den Zoff bei dem Leitmedium aus Hamburg liefern, sind auch in anderen Verlagshäusern mehr oder weniger weit vorne auf der Agenda. Praxiserprobte Ratschläge und Impulse dazu bietet eine neue Brancheninformation der Deutschen Fachpresse: Die soeben erschienen Publikation mit dem Titel „Medien-Relaunches erfolgreich managen. Print – Digital – Crossmedial“ beschäftigt sich mit Fragen der strategischen Weiterentwicklung von Medienmarken.

Ausgangspunkt ist dabei, dass sich mit dem tiefgreifenden Strukturwandel auch der Relaunch als zentrales Instrument der Medienentwicklung erheblich verändert und neuen Ansprüchen genügen muss. Richtig angelegt, geht ein Relaunch heute mit einer grundlegenden Überprüfung der Positionierung bei sich dynamisch wandelnden Rahmenbedingungen einher. Das Relaunch-Projekt wird zum Prozess. Der intensive Dialog mit den Kunden (Leser und/oder Werbekunden) gewinnt an Bedeutung. Im Wettbewerb tauchen neue Mitspieler auf, vom Startup im Internet bis hin zu den eigenen Werbekunden.

Bei der Weiterentwicklung crossmedialer Medienmarken verlassen Medienhäuser bekanntes Terrain, das klassische Bauchgefühl des Verlegers oder Chefredakteurs genügt nicht mehr. Teilweise notwendige Veränderungen bei Strukturen, Ressourcen und der Unternehmenskultur werfen neue Fragen auf. Aber die Fähigkeiten eines Verlages, sich anzupassen, sind entscheidend dafür, ob erneuerte Produkte über zunehmend digitale Vertriebswege ein Erfolg werden oder ein Misserfolg vorprogrammiert ist. So decken heutige Relaunch-Projekte oft Struktur- und Kulturprobleme eines Medienhauses auf.

Andererseits liegen in der Digitalisierung der Medien – neben allen Bedrohungen des klassischen Geschäfts – auch Chancen für Medienhäuser. Sie können sich mit ihren Stärken auch in Zeiten großer Herausforderungen ganz vorne im Medienmarkt halten und positionieren. Aber: „Es gibt keine Blaupause für den erfolgreichen Medien-Relaunch“, warnt Ulrich Spiller (Heinold, Spiller & Partner), einer der Autoren der Brancheninformation, vor zu einfachen Rezepten: „Wichtig ist, dass Unternehmen die für sie richtige Strategie erkennen, gegebenenfalls notwendige Kernkompetenzen ausbauen und den Relaunch-Prozess in einer logischen, am Gesamtziel orientierten Folge von Schritten umsetzen.“

So liefert die Publikation keine starre Anleitung, erlaubt hingegen methodischen Einblick in die Konzeption eines Relaunchs, präsentiert praxiserprobte Denk- und Planungsmodelle und bietet Schritt für Schritt-Erläuterungen zur erfolgreichen Strategieentwicklung und -umsetzung. Checklisten helfen dabei, Unternehmensstrukturen zu prüfen und eine Neupositionierung zu realisieren.
Neben Ulrich Spiller gehören Jörg Künkel (Künkelmedia), Holger Best (BestMedienKonzepte) und Hans-Joachim Hoffmann (Hoffmann Medienprojekte) zum Autorenteam, das Erfahrungen aus insgesamt weit über hundert Relaunch-Projekten in die Veröffentlichung eingebracht hat.

Die Brancheninformation der Deutschen Fachpresse „Medien-Relaunches erfolgreich managen. Print – Digital – Crossmedial“ umfasst 44 Seiten. Mitglieder der Deutschen Fachpresse können die Publikation als PDF kostenlos bei Martina Seiring bestellen; der Preis für Nichtmitglieder beträgt 49,00 Euro inkl. MwSt.

Dienstag, 5. März 2013

"Jeder Tag ohne ein funktionierendes CRM System ist ein verschenkter Tag" - Interview mit Vertriebsleiterin Frauke Weiß



Ist Customer Relationship Management (CRM) eine Modebegriff bzw. ein Hype, den sich nur große Verlage leisten können? Keineswegs, meint Frauke Weiß, Vertriebsleiterin beim Beckmann Verlag und Referentin auf der nächsten Publishers' CRM-Conference. Ihre These: Wer kein CRM aufbaut, verschenkt Umsatz, und das jeden Tag.

Customer Relationship Management ist ein sperriger Begriff, hinter dem sich ein komplexes Konzept verbirgt. So mancher Verlag hat sich daran verhoben, andere scheuen den Einstieg. Wie ist der Ansatz bei Beckmann, einem eher kleinen Verlag?
Frauke Weiß: Der Weg von der reinen Adressdatenbank zum Kundenbeziehungsmanagement  fängt mit kleinen, aber wichtigen Schritten an, die Entscheidung zum notwendigen „Ja ich will!“ – ist der schwerste Schritten von allen.  Und wie in jeder guten Beziehung muss auch daran ständig gearbeitet werden. CRM muss täglich „gelebt“ werden, das bedeutet Datenpflege, Datenpflege und nochmals Datenpflege. Ohne aktuelle Daten nützt kein CRM Tool dieser Welt. Das permanente „füttern“ der Datenbank ist ein ständiger Prozess. Jede Mitarbeiterin, jeder Mitarbeiter muss sich für die Pflege verantwortlich fühlen. Ein CRM System ist nur so gut, wie es die Kollegen und Kolleginnen pflegen.

Was ist der Hauptnutzen, den Sie aus Ihrem CRM-Einsatz ziehen können?
Frauke Weiß: Kurz gesagt, wir steigern damit unsern Umsatz und das sehr kontinuierlich! Ein Beispiel aus dem Vertriebsalltag: Aus der Redaktion kommt die Information zu einer Serie (6 Ausgaben) zum Thema Düngung. Meine Datenbank kennt die Kunden, die noch kein Abonnement haben und als Dienstleistung Düngung anbieten. Nach dem  Mailing bestehend aus dem Themenplan plus Abo-Angebot sowie ein Anruf hat jeder 5. das Themen-Abo abgeschlossen; ein weiterer Anruf kurz vor Ablauf hat aus jedem 2. Themen-Abo ein festes Abo generiert. Auch die Anzeigenabteilung und die Redaktion nutzen inzwischen die Daten.
Wo stehen Sie heute, und welche weiteren Herausforderungen sehen Sie für den weiteren Ausbau?
Frauke Weiß: Wir sind mit einer Abteilung, dem Vertrieb, vor drei Jahren erfolgreich gestartet und noch nicht am Ziel angekommen.  CRM ist eine „never ending story“, die uns bereits in den ersten drei Jahren einige Erfolgs- und Umsatzsteigerungen gebracht hat. Die Anzeigenabteilung arbeitet noch mit einer eigenen Datenbank. Derzeit bereiten wir die Zusammenführung beider Datenbanken vor, dies wird unsere nächste große Aufgabe werden. Die Herausforderung besteht darin, jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter aus allen Abteilungen für unser CRM zu begeistern, mitzunehmen auf dem steinigen Weg zum perfekten Leser, Anzeigenkunden, Autor, Teilnehmer an Diskussionsrunden, Messebesucher usw. Es kostet zunächst zwar Zeit, diese Hürde zu nehmen und allen den Nutzen aufzuzeigen, aber viele bereits vorhandene, sehr positive Beispiele von effektiven Auswertungen und von zeiteffizienten Möglichkeiten der erleichterten Arbeit mit den Kunden durch unsere bisherige Pflege des CRM vereinfachen diesen Weg.

Was sind die wichtigsten Erfolgsfaktoren für Ihre CRM-Umsetzung?
Frauke Weiß: Hartnäckigkeit und Geduld, ein guter Plan, das richtige Ziel und natürlich eine erstklassige Software.

Wie sollte ein Verlag vorgehen, der ganz am Anfang steht?
Vermeiden Sie eine getrennte Einführung in den Abteilungen, und nehmen Sie Ihre Mitarbeiter von Anfang an mit. Ohne ihre aktive Mitarbeit nutzt kein CRM der Welt. 

Ihr Vortragsthema auf der Publishers‘ CRM-Conference lautet: Aktives und erfolgreiches CRM in der Praxis: Vom Anwender für Anwender. Was wird Ihre Kernbotschaft sein?
Frau Weiß: Denken Sie nicht darüber nach, ob eine CRM Software zum Einsatz kommen soll, sondern fragen Sie klar und unmissverständlich: Wann machen wir den ersten Schritt, wann starten wir endlich? Denn jeder Tag ohne ein funktionierendes CRM System ist ein verschenkter Tag – mit verschenkten Umsätzen.

Donnerstag, 14. Februar 2013

Neue Jobs in Verlagen: Sechs neue Aufgaben für die digitale Medienwelt

Das englische Fachportal "The Media Briefing" liefert beinahe täglich spannende Informationen zum Wandel in der Medienbranche. Ich möchte ein aktuelles Posting hier kurz zusammenfassend wiedergeben, weil ich diese Gedanken auch für hiesige Verlage für sehr relevant halte. Thema des Beitrages sind neue Aufgaben in Verlagen bzw. neue Stellebbeschreibungen - sechs werden beschrieben:
  • Head of data: Hier geht es um das Management von Kundendaten, Verkaufszahlen, Webnsitekennziffern etc.
  • Head of analytics: Hier werden Daten ausgewertet, vor allem jene, die durch die Nutzung von digitalen Medien entstehen. Das Hirn von Big data also, wie es sich z.B. die Financial Times leistet data analytics.
  • Head of user experience: Trägt der ständig wachsenden Bedeutung von digitalen Medien Rechnung. Erfolgsfaktor ist die Nutzerfreundlichkeit, die Anwendbarkeit. Diese Aufgabe in einem Job (oder einer Abteilung) zu bündeln, macht Sinn.
  • Chief content officer: Schon fast ein alter Hut, aber in vielen Verlagen noch immer nicht installiert - eine Person, die sich um alle Belange des Content Management kümmert, nicht um die Inhalte selbst: "As UBM CCO Adrian Barrick is finding out, it's an especially important role when your revenues come from activity indirectly linked to content - such as events."
  • Chief revenue officer: Klingt nach der guten, alten Vertriebsleitung, aber hier geht es nicht (nur) um Verkaufsoptimierung (operativ), sondern um die langfristige Sicherung on "revenue streams" (strategisch), letztlich also auch um nachhaltige Geschäftsmodelle.
  • Head of premium information: Nicht ganz leicht zu fassen - in den Worten von Media Briefing: "This person is  tasked with overseeing a shift from subs/ad model to one based on offering information services. Job split: 25 percent technical, 25 percent commercial and 50 percent editorial." Was ich verstehe: Eine Person, die Inhalte so aufbereitet, dass sie in den unterschiedlichsten Medien- und Vertriebskanälen vermarktet werden kann, auf eigene Rechnung oder als Content Syndication. Sehr interessante Idee.
Nota bene:
  • Das ist nur eine Auswahl neuer Jobtitel, es gibt noch etliche mehr: Audience Development, Business Development, Projektmanager...
  • Auch bestehende Jobs ändern sich, im Lektorat, in der Redaktion, im Marketing, in der Herstellung. 
Alles in allem: Eine großer Herausforderung vor allem für das Verlagsmanagement!

Donnerstag, 7. Februar 2013

"Wir müssen in die Welt des Kunden eintauchen" - Die lösungsorientierte Neukonzeption von (Print)Produkten

Wie können erfolgreiche Geschäftsmodelle zukunftsfähig gemacht werden? Speziell gefragt: Wie kann das schöne Produkt- und Erlöskonzept Loseblattwerk in die digitale Medienwelt transferiert werden? Dr. Arno Langbehn, Geschäftsführer des Behr's Verlags, erläutert im folgenden Interview, was der zentrale Erfolgsfaktor für die Neukonzeption von Geschäftsmodellen und Produktkonzepten ist: Das noch bessere Verständnis des Kunden. Was so einfach klingt, stellt Verlage vor neue Herausforderungen.

Das gedruckte Loseblattwerk (LBW) wird seit Ende der 90er Jahre für tot erklärt. Doch die Realität ist eine andere – wie ist die aktuelle Lage dieses vermeintlichen Dinosauriers bei Ihnen und bei Fachverlagen insgesamt?
Dr. Arno Langbehn: Dazu fällt mir ein abgewandeltes Zitat aus den Asterix-Heften ein: „Wir befinden uns im Jahre 2013 nach Christus. Die ganze Verlagswelt stellt auf Online um. Die ganze Verlagswelt? Nein! Einige von unbeugsamen Mitarbeitern bevölkerten Verlage hören nicht auf, dem Online-Wahn Widerstand zu leisten. Und das Leben der Online-Verlage ist nicht leicht. Werden doch mit den klassischen Medien wie Loseblattsammlungen noch Umsätze und Renditen erwirtschaftet, von denen die meisten Online-Verlage nur träumen können.“

Die Grabreden sind insbesondere zu den LBWs zu hören, da diese in der Vergangenheit die renditeträchtigen Objekte waren. Ein Rückgang in diesem Bereich hat große Auswirkungen. Nicht zu vergessen ist, dass häufig auch Fachbücher und Zeitschriften sich nicht mehr in so großen Auflagen verkaufen lassen wie noch vor 20 Jahren.

Fangen wir mit unserem Verlag an. Von der Anzahl der Titel haben wir ca. 15 % Loseblattsammlungen, vom Umsatz her machen diese jedoch aufgrund der Aktualisierungslieferungen einen Hauptteil aus. Wir haben uns in der Vergangenheit nicht wie manch anderer Verlag von den LBWs losgesagt und komplett auf eine Online-Strategie oder andere Medien gesetzt. Bei uns entscheidet die Problemstellung der Kunden verbunden mit dem Thema, der Struktur des Werkes und abschließend das Medium. Manche Herausforderungen für den Kunden können auch heute noch am besten durch Loseblattsammlungen gelöst werden, andere eben nicht. Und da gilt es – unter Berücksichtigung der Rentabilität – das geeignete Medium für den Kunden zu wählen. Hier haben wir auch noch Nachholbedarf, da in der Vergangenheit in der Konzepterstellung zu früh auf das Medium Loseblattsammlung gesetzt wurde. Zukünftig gilt es hier, zuerst medienunabhängig zu konzipieren und auch ganz neue Medien-Formen bei Bedarf in Betracht zu ziehen.

Unsere bestehenden Loseblattsammlungen haben sich vom „klassischen“ Modell Grundwerk 400 Seiten und Aktualisierungslieferungen mit je 100 Seiten gelochtem Papier weiterentwickelt. Grundwerke bestehen häufiger z.B. aus einzelnen Schulungseinheiten, einem Trainingsmodul, Handouts für Mitarbeiter, Datenbankzugang … Die Aktualisierungslieferungen nur noch teilweise aus gelochtem Papier, zusätzlich mit Zugang zur Datenbank, einem Newsletter, Poster oder Übungskarten für die Mitarbeiter, Musterformulare für die Kunden oder abwaschbare Dokumentationsblätter, … Ziel ist, dass der Kunde seine Probleme mit geringstem Aufwand lösen kann. Wir sind gerade wie viele Verlage in einem Change-Prozess von den klassischen Medien zu ganz neuen Produktformen, die den aktuellen Kundenbedürfnissen entsprechen. Die Herausforderung ist, diesen Change im laufenden Geschäft zu vollziehen. Praktisch eine Concorde in der Luft zum Airbus A380 umbauen.

Zu der Situation in anderen Verlagen kann ich nur bedingt etwas sagen. Es fällt auf, dass manche Verlage mit einem hohen Loseblattsammlungsanteil diese im Verlag und nach außen verpönen und neue Geschäftsmodelle in den Fokus rücken – bis hin zu einem „Verbot“ von neuen LBWs und Reduktion der Werbung für die bestehenden LBWs. In den Fokus rücken dann die anderen Geschäftsmodelle, insb. Online. Und leider haben viele Fachverlage wie auch wir noch nicht „den Stein der Weisen“ gefunden, wie mit anderen Modellen ein Ertrag erwirtschaftet werden kann wie zu den besten Zeiten der LBW. Sofern dann die neuen Modelle nicht wie erhofft greifen, werden in manchen Verlagen die LBWs auch schon mal wieder „gesellschaftsfähig“.

Welche Möglichkeiten haben Verlage, das gedruckte LBW in ein neues Geschäftsmodell zu transferieren, ohne ihre Kunden dabei zu verlieren? Wo lauern die größten Gefahren?
Dr. Arno Langbehn: Es gibt viele Möglichkeiten. Einfach wäre, die LBW durch Online zu ersetzen und alle Kunden „umzupolen“. Nur ist das für mich die falsche Reihenfolge. Zuerst gilt es, die Kundenwelt zu analysieren und zu verstehen. Wer ist der Kunde, was sind seine Tätigkeiten, Aufgaben, Herausforderungen / Probleme. Was sind seine erfolgskritischen Bedürfnisse aus Kundensicht, die es zu befriedigen gilt. Hier gelten die zwei Motivationsknöpfe: Schmerz vermeiden (z.B. keine Verstöße gegen Vorschriften) und Freude zu erlangen (z.B. Sicherheit im Job). Erst wenn man Informationen hierzu hat, kann die Lösung entwickelt werden. Und diese besteht aus 4 Perspektiven: Content, Struktur/Aufbau des Produktes, Ansprache des Kunden und erst als letzten Punkt aus dem Medium (Fachbuch, App, Online-Datenbank, LBW, …). Verlage verlieren Kunden, wenn sie mit der vierten Perspektive anfangen und strategisch beschließen: Wir machen keine LBWs mehr, sondern z.B. nur noch Online.

Bei Rückgang der Abozahlen, Umsatz und Ertrag ist ein Wechsel des Mediums theoretisch der einfachste Schritt. Komplizierter wird es, insbesondere die Struktur des Produktes den wahren Kundenerwartungen anzupassen. Nur das ist der weitaus größere Stellhebel. Kunden akzeptieren aus meiner Sicht eher das aus ihrer Sicht nicht so geeignete Medium, sofern der Content und die Struktur des Produktes wirklich die für sie wichtige Lösung herbeiführt.

Der Kern des LBW-Geschäftsmodells war das Abo – wollen Ihre Kunden noch Abos? Und wenn ja, in welcher Form?
Dr. Arno Langbehn: „Kunden wollen keine Produkte, Kunden wollen Lösungen.“ Dieses alte Zitat hat heute noch mehr Bedeutung als früher. Fast keiner liest Fachinformationen nur zur Information, sondern weil er mit der Information anders handeln will bzw. muss. Wenn sich hier die Anforderungen laufend und insb. in nicht vorhersehbaren Abständen ändern, erwartet der Kunde, dass er umgehend informiert wird. Jedoch zeitlose Fachinformationen in ein Abo zu pressen um den Umsatz und Ertrag zu erhöhen, hat zwar in der Vergangenheit teilweise gut funktioniert. Dieses ist jedoch kein Modell der Zukunft.

Stichwort Kunde: Müssen Verlage ihre Kunden besser oder sogar neu kennenlernen, wenn sie neue Geschäftsmodelle etablieren wollen? Und wenn, auf welchen Weg?
Dr. Arno Langbehn: Ganz deutlich: JA! Und zwar noch besser kennenlernen als in der Vergangenheit es schon manche Verlage praktiziert haben. Der Wert eines Produktes wird u.a. dadurch bestimmt, wie groß das zu lösende Problem für den Kunden ist und wie häufig dieses für den Kunden auftritt. Hinzu kommt, wie gering für ihn der Aufwand ist, mit dem Produkt das Problem zu lösen. Und hier kommt die Information über die Kundenwelt ins Spiel. Eine Lösung ist umso besser, je mehr diese in die bestehenden Prozesse der Kunden passt und hier integriert werden kann. Um derartige Lösungen anzubieten, müssen dem Verlag diese Prozesse bekannt sein. Das erfordert mehr Wissen über den Kunden als nur Branche, Position und dessen technische Ausstattung.

Notwendig ist, in die Welt der Kunden einzutauchen. Und das geht am besten durch direkten Kontakt zu den Kunden. Hier gibt es viele Ansätze wie die klassische Gruppendiskussion, Teilnahme an Stammtischen und insbesondere die qualitativen Tiefeninterviews möglichst am Arbeitsplatz der Kunden.

Welche Herausforderungen müssen Verlage bei diesem Innovationsprozess meistern?
Dr. Arno Langbehn: Wie oben erwähnt: Lösungen für die größten Probleme liefern und Kundenbedürfnisse erfüllen. Und zwar so, dass der Kunde die Lösung in seine gewohnten Abläufe sofort implementieren kann und die Lösung umgehend erfolgt. Hierfür müssen wie erwähnt umfangreiche Kenntnisse über die Kunden bekannt sein. Zu bedenken ist: die Transferleistung von der Kundenwelt zum Produkt ist und bleibt weiterhin Aufgabe des Verlages. Kunden nennen nie die Lösung, da sie sich nur selten vorstellen können, was als Lösung möglich ist.

Eine weitere Herausforderung besteht in der Konzentration. Und zwar insb. auf einzelne wenige Kundensegmente. Es gilt weiterhin: Wer sich konzentriert, der wächst. Wer sich verzettelt, der schrumpft. Das benötigte umfangreiche Verständnis von der Kundenwelt kann nicht aufgebaut werden, wenn jeder Mitarbeiter einen anderen Markt bedienen soll.

Und zum Schluss etwas, woran auch wir noch arbeiten: Kunden wollen keine Einzel-Lösungen, sondern Systeme. D.h., meist hat der Kunde keinen Mehrwert, wenn er zu einer Fragestellung alle benötigten Werke von einem Verlag kauft oder von verschiedenen Anbietern. So kann er das Fachwissen von einem Verlag beziehen, die Arbeitshilfen dazu von einem anderen Verlag, die benötigten Schulungsmaterialien von einem dritten Anbieter und die Urteilsdatenbank von einem vierten Anbieter. Oder halt alle Produkte von einem Verlag. Da die Produkte eines Verlages (insb. im Print-Bereich) nicht miteinander abgestimmt und verknüpft sind, entsteht beim Bezug aller Werke von einem Anbieter keinerlei Mehrwert gegenüber dem Bezug bei mehreren Verlagen. Da wird viel Potenzial verschenkt. Wer diese Systemlösung versteht ist z.B. Apple: Computer (iMac), Mobile-Phone (iPhone), Tablet-PC (iPad) sind komplett aufeinander abgestimmt und die Inhalte untereinander synchronisie bar. Auch die Software wie Pages, iPhoto, iTunes und iCloud sind miteinander vernetzt und ermöglichen so ein viel einfacheres Arbeiten, als wenn die Software von verschiedenen Anbietern kommen. Ergänzt wird dieses noch durch ein auf die Produkte abgestimmtes Schulungskonzept (von offenen Schulungen bis zu individuellen Einzeltrainings) - abgerundet durch Personal Shopping  und der Genius Bar für Reparaturen. Alles aufeinander abgestimmt. Wer einmal drin ist, will nicht wieder raus, da dann dieser Nutzen entfallen würde. Solange es sich wirklich um Top-Lösungen handelt, wird dieser goldene Käfig von den Kunden akzeptiert. Diese Verknüpfung der Verlagsprodukte bei den verschiedenen Autoren zu erreichen ist sicherlich nicht einfach. Nur ist dieses im Sinne einer intensiven Kundenloyalität notwendig. An der Umsetzung dieses Systemansatzes müssen wir auch noch arbeiten. Gerade für uns als Anbieter in Marktnischen ist dieses ein ganz wesentlicher Ansatz.

Wenn Sie nicht mehr von Produkten sprechen, sondern von Lösungen, dann ist der Begriff „Tool“ nicht mehr weit. Werden Fachinformationsangebote noch stärker den Workflow des Kunden unterstützen müssen und sich deshalb, über reine Inhalte hinaus, in Richtung Softwaretool bewegen?
Dr. Arno Langbehn: Ja und nein. Die Produkte bzw. Lösungen müssen noch mehr in den Workflow des Kunden passen und diesen unterstützen. Es ist nicht möglich, mit einem Produkt den Workflow des Kunden zu ändern. Wenn ein Produkt nicht reinpasst, wird es nicht angenommen. Ich versuche dabei den Begriff „Fachinformationsangebot“ zu vermeiden. Es muss mehr als die Information sein, sondern eine Unterstützung. Und da muss es nicht unbedingt ein Softwaretool sein. Die Wahl des Mediums ist und bleibt der letzte Schritt in der Produktkonzeption.

Veranstaltungs- und Literaturhinweise

Die Transformation des Geschäftsmodells Loseblattwerk ist das Kernthema der 2. Exklusiv-Tagung Loseblattwerke.

Zum Thema Produktentwicklung hat Dr. Arno Langbehn ein umfangreiches Fachbuch geschrieben, das als Praxisleitfaden alle Aspekte einer systematischen Produktentwicklung beschreibt.

Dienstag, 27. November 2012

"Zeitschriftenverlage brauchen Wachstumsfelder" - Interview mit Gerrit Klein

Gerrit Klein, Geschäftsführer beim Ebner Verlag, wird auf dem 4. Zukunftsforum Zeitschriften erläutern, warum Zeitschriftenverlage sich neu erfinden müssen. Im folgenden Interview erläutert Klein, dass Verlage eine klare Strategie benötigen, auch oder gerade bei der Erschließung neuer Geschäftsfelder.

Mobile Magazines, Paid Services, Editorial Commerce etc. – Welche Themen und Hauptfragestellungen beschäftigen Sie aktuell am meisten und was wird 2013 die größte Herausforderung für Sie als Zeitschriften-Publisher sein?
Gerrit Klein: Unsere – und damit meine ich alle Verlage – größte Herausforderung wird es sein, stimmige strategische Wachstumsoptionen zu definieren. Eines ist überdeutlich: Das alte Publishing Modell hat seine Grenzen erreicht. Den eigenen Horizont zu transzendieren und gleichzeitig das immer noch bestehende beachtliche Kerngeschäft zu erhalten fordert einen intellektuellen Spagat, der herausfordernd ist.

Viele Zeitschriftenverlage stehen angesichts der Rückgänge von Auflagen und Werbeeinnahmen vor der Herausforderung, neue Wachstumsmärkte und neue Erlösquellen zu erschließen. Wo hat Ihr Verlag Neuland betreten und welche Erfahrungen haben Sie hier gemacht?
Gerrit Klein: Ausland, CRM, Mobil, Employer Branding, Corporate Publishing, Events, Preise, All Access Modelle – wohin man guckt findet sich genügend Neuland. Erfahrungen? Manches funktioniert aus dem Stand hervorragend, manches ist zäh wie Gummi.

Printformate werden heute meist von Online-Auftritten, Tablet- und Smartphone-Apps und anderen digitalen Formaten flankiert, Zeitschriftenmarken werden immer häufiger von vorneherein crossmedial angelegt. Wie muss sich die Printzeitschrift vor diesem Hintergrund verändern?
Gerrit Klein: Wenn ich das exakt wüsste, sollte ich Berater mit einem 5stelligen Tagessatz werden und es nicht hier ausplaudern. Oder eine Sekte gründen. Manchmal ist es schon gut deduktiv zu erkennen, was nicht funktioniert. Denn dann verschwendet man keine Energie auf der falschen Spur.

Was glauben Sie – welchen Umsatzanteil werden elektronische Produkte bei Ihnen im Haus in 5 Jahren haben? Und wie sieht es heute aus?

Gerrit klein: Ich höre immer nur elektronisch. Es gibt noch jede Menge anderer Wachstumsfelder. Die Frage ist anders zu stellen: Welchen Anteil sollen Formatanzeigen in 5 Jahren haben? Einen möglichst geringen.

Die Fragen stellte Jacqueline Hoffmann, Abdruck mit Dank an die Akademie des Deutschen Buchhandels.

Freitag, 9. November 2012

Smart Content und Change Management: Neue Kooperationspartner, neue Beratungsangebote

Mit zwei neuen Kooperationspartnern haben wir zwei spannende und aktuelle Beratungsangebote konzipiert - eines zum Thema "Smart Content", also der intelligenten Aufbereitung und Vernetzung von Inhalten, ein zweites zum Thema Change- und Innovations-Management. Zwei Themen also, die sich zu Kernfragen des modernen Verlagsmanagement entwickelt haben.

Smart Content: Vom Nutzen intelligenter Inhalte für Ihr Unternehmen

Inhalte werden als Smart Content intelligent: Sie lassen sich von den Verlagen in vielfältiger Weise kombinieren und einfach zu neuen Produkten zusammenstellen. Mehr noch: Semantisch aufbereitete Inhalte passen sich flexibel an die Kundenbedürfnisse an. Möglich wird dies durch eine Smart Content-Strategie, die auf modernster Basis Inhalte granular und semantisch strukturiert. Doch wie können Sie als Verlag diese einzigartige und zukunftssichere Content-Technologie nutzen? Wie können Sie – vom Autor bis zum Nutzer – ihre Wertschöpfungskette so organisieren, dass Ihre Inhalte als Smart Content-Elemente vorliegen? Die Antworten auf diese Fragen erarbeiten wir in Kooperation mit Michael Dreusicke gerne mit Ihnen. Alle Details zu unserer Smart Content-Beratung.

Change- und Innovations-Beratung für die Verlags- und Medienbranche

Niemand bezweifelt mehr, dass die Digitalisierung die Medienbranche grundlegend revolutioniert. Folgerichtig überbieten sich Verlage gegenseitig mit Ankündigungen und Erfolgsmeldungen über ihre digitale Neuausrichtung. Doch schaut man hinter die Kulissen, sieht man immer noch dieselben Prozesse, dieselbe traditionelle Denkweise. Gerade in Zeiten hoher Unsicherheit orientieren sich Menschen an Vertrautem, an dem, was in der Vergangenheit funktioniert hat. Doch diese natürliche Reaktion ist hoch gefährlich: Wer dem Veränderungsdruck des Marktes nicht gewachsen ist, landet schnell in der „Todeszone“, wie die folgende Grafik zeigt:
 

Change_Bedarf

Professionelles Change Management kann man nicht delegieren. Deshalb erarbeiten wir in Kooperation mit Dr. Karl-Ludwig von Wendt mit Ihnen gemeinsam in einem ersten Workshop den Veränderungsbedarf und den aktuellen Stand der Veränderungsbereitschaft. Bei Bedarf ermitteln wir neutral und anonym ein Stimmungsbild und berücksichtigen dabei auch die Veränderungshistorie Ihres Unternehmens. Dann erstellen wir mit Ihnen eine Change Roadmap, in der die notwendigen Maßnahmen definiert werden, und begleiten gerne auch die Umsetzung. Alle Details zu unserer Change- und Innovations-Beratung.